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1965

CANNES - GENEVE - CANNES  / Prüfungsfahrt Solitude / Sauerländische ADAC Zuverlässigkeitsfahrt / Trial

 

Zu CANNES - GENEVE - CANNES schreibt Rainer Bratenstein:

Ich spüre hier immer noch Gluthitze und Pinienduft, sogar noch am Bildschirm. Es gab bei jener französischen Langstreckenveranstaltung Cannes-Genf-Cannes die eigentlich über das Gesamtklassement entscheidende Sprintprüfung von Entrevaux nach Pont des Miolans, welche damals auch noch im Januar bei der Monte Carlo Verwendung fand. Entrevaux liegt im Var-Tal ca.50 km Luftlinie nordwestlich von Nizza. Seit dem Start zur zweiten Etappe Genf - Cannes am Vorabend gegen 22 Uhr, die vorhergehende Nacht hatten wir mit der ersten Etappe Cannes - Genf 580 km lang abgeritten, war man schon wieder 630 km unterwegs gewesen. Ende September im Dauerregen über den Iseran und Galibier und all die anderen netten Hügel, angetan mit offenem Helm, meist beschlagener Brille, Barbour und viel Zeitung drunter vor dem Bauch. Kalt und naß eben, Adrenalin die Pässe runter wärmt auch. Eingetaucht in die Seealpen empfing uns die mediterrane Sonne wie auch sinnigerweise eine einstündige Zwangspause um die Mittagszeit vor dem malerischen Stadttor jenes mittelalterlichen Städtchens Entrevaux, zu sehen im Hintergrund des Fotos. Man fühlte sich schnell aus dem Rhytmus geworfen, Müdigkeit machte sich breit. Holzhammer. Genau anschließend jedoch stand diese sogenannte "Gleichmäßigkeitsprüfung" an. Ein 32 km währendes und leidlich geteertes und holpriges Sträßchen, breit genug für den 2CV der Bergbauern, dort, wo dessen Räder nicht hinkamen, fand sich ein durchgängiger Rollsplittstreifen. Wenns neben der Fahrbahn allzu senkrecht nach unten ging, hatten die Franzmänner gelegentlich einen Baumstamm an den Rand gelegt, damit auch nix passiert. Es gab eine kleine Ortsdurchfahrt in La Rochette und dahinter einen ziemlich dunklen Tunnel, natürlich leicht gebogen, damit man ja den Ausgang erst später sah. Dort drinnen suchten Kühe den Schatten, das wußten wir vom Training einige Wochen zuvor, und entsprechend rutschig konnte die Straße sein. Erst gewann man 500 Höhenmeter über meist enge Spitzkehren, dann brachten einen die verbleibenden 20 km wieder 330 Meter tiefer, ewiges Geschlängel am glühenden Südhang entlang. Das alles nannte sich Gleichmäßigkeitsprüfung, weil es sowohl für Unter-wie auch Überschreitung der Sollfahrzeiten Strafpunkte hagelte. Damits die Präfektur genehmigt, sonst wärs doch ein Rennen. Die Präfektur wußte aber nicht, dass die je nach Hubraumklasse vorgegebenen Zeiten eh von niemandem zu schaffen waren. Wir wußten das schon und der Veranstalter ja auch. 32 Minuten für alles über 350 ccm 32,5 Minuten bis 350 ccm 33 Minuten für alles drunter, also auch einen Heinkel Eile also war geboten. Vor allem lockte, die beim Anstieg wegen mangelnden Hubraums verlorene Zeit auf den langen Bergabstücken durch Tapferkeit, Stehenlassen und Spätbremsen wieder einzufangen. Tatsächlich ließen sich unter jenen Bedingungen auf Bergabpassagen gestandene 600er niederringen, sofern reine Beschleunigungsstücke nur nicht lang genug waren. Wer konnte schon so spät bremsen und Haken schlagen wie das Karnickel ausser ein richtig gemachter Tourist. Am Ende hatte eine Norton Atlas mit 32 min 24 sec die Nase vorn. Ich hab den Heinkel schon 36 min 35 sec lang plagen müssen und war auf mich stolz, weil zehn von den Dicken teils über 600ern bis zu drei Minuten länger gebraucht hatten. Zwei Jahre später - dazwischen lief jeweils alternativ die "Grasse-Grenoble-Grasse" - trieb ich den inzwischen erworbenen weißen Heinkel aus der ehemaligen Zuffenhausener Sportabteilung wieder nach Cannes. Jetzt darf er sich zusammen mit anderem Alt-Eisen totalrestauriert an Vetreanenrallyes erfreuen.