Pleuel verbogen

Motor-Vergaser-Antrieb
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HeinklerChris
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Pleuel verbogen

Beitrag von HeinklerChris » 16.05.2020, 19:24

Hallo Heinkel Freunde,

da mein A1 leider an extremer Rauchentwicklung litt habe ich heute mal den Zylinder demontiert. Dabei kam so einiges Ünschönes zu Tage. Ein Sprengring war nicht richtig montiert worden :( und hat schöne Riefen im Zylinder hinterlassen. Das ist schon mal nicht so toll.

Aber dann musste ich leider auch noch feststellen, dass das Pleuel ganz schön verbogen ist :shock:.

Jetzt meine Frage, ist es möglich das Pleuel im eingebauten Zustand wieder gerade zu biegen?
Oder würdet ihr eher von so einer Aktion abraten?

Danke und frustierte Grüße
Christian
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hok
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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von hok » 16.05.2020, 20:35

Hallo Christian;
das Geradebiegen in eingebautem Zustand geht überhaupt nicht,
Alles wird nur noch verschlimmbessert.
Selbst wenn die Kurbelwelle ausgebaut ist, kann man das Pleuel nicht einfach
nach Gefühl „ gerade biegen“
Es gibt Firmen, die reparieren Kurbelwellen und Pleuel.
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Gruß Hans

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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von Hans » 16.05.2020, 20:37

Hi,
und wenn du es so lässt und nur die obere Buchse gerichtet aufreibst?
Gruß
Hans

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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von Hans » 16.05.2020, 20:39

.... meinte natürlich: ... erneuerst und dann gerichtet aufreibst.
Hans

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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von Hans » 16.05.2020, 20:42

Die Club Ersatzteilversorgung überholt auch Kurbelwellen.
Hans

HenningW
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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von HenningW » 16.05.2020, 22:09

Liebster Christian,
eine kleine Geschichte aus meiner Anfangszeit, als ich noch jung und dumm war.
Ich habe den Kolben ausgebaut und wieder montiert, aber ohne Kolbenbolzenausdrücker. Dabei habe ich das Pleuel wahrscheinlcih leicht verbogen, habe es aber nicht gemerkt. Bei der Montage hat alles gepasst.
Nach 100 - 200 km hat der Roller kurz geruckt und ist ausgerollt, Pleuel abgerissen und Loch im Motor.
Deshalb: Lass die Kurbelwelle fachmänisch richten, es lohnt sich! Ich denke, Du hattest Glück, dass bisher nicht mehr passiert ist.
Gruß Henning

Stephan
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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von Stephan » 21.05.2020, 18:50

Hallo,

im "Standardwerk" der Motorrad Reparaturen der 50er Jahre (Carl Hertweck; Besser Machen) sind zwei Methoden beschrieben, wie man eine solche Reparatur durchführen kann. Verbogenen Pleuel waren damals wohl nicht ganz selten. Allerdings wird auch dort schon von Risiken berichtet (Pleuelabriss) gewarnt und darauf hingewiesen, dass einige Erfahrung vorhanden sein sollte.

Die "beste" Möglichkeit scheint mir davon das "Englische Rezept" zu sein, genauen langen Dorn im Pleuelauge, schön lang (Hebel) und das Pleuel in einem hölzernen Widerlager.

Man sollte es m.E. höchstens machen , wenn man einen Totalverlust einkalkuliert. Ein abgerissenes Pleuel im Fahrbetrieb stelle ich mir nicht spassig vor, obwohl ein Stammtischkollege dies vor ein paar Jahren hatte....

Lass es machen und geh kein Risiko ein, auch wenn ein richten im eingebauten Zustand (theoretisch) möglich ist.


Grüße
Stephan
Zuletzt geändert von Stephan am 21.05.2020, 22:26, insgesamt 1-mal geändert.

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heinkel-bernd
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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von heinkel-bernd » 21.05.2020, 21:39

Ich habe mir natürlich dazu von Anfang an auch meine Gedanken gemacht :?

Erstmal fragte ich mich, wie sowas passieren kann :shock:

Das Problem am Richten ist, dass das Pleuelauge stark verdreht ist !
Ist von der Verformung auch das untere Pleuelauge betroffen, muss darüber nicht mehr
diskutiert werden (Alteisen)
Beginnt die Verformung erst in der Pleuelstange, kann ich mir schon vorstellen,
dieses Auge zurückzudrehen. Dazu muss unterhalb dieser Verdrehung mit einem stabilen
Werkzeug gegengehalten werden, damit das untere Pleuellager mit seiner Aufnahme
keinen Schaden erleidet :cry:
Ist dazu ein stabiler Gegenhalter angefertigt, der keine Abdrücke im Pleuel hinterlässt und
das Auge mithilfe eines anderen passenden Werkzeug soweit zurück gedreht, dass die Richtung
des Auges genau mit der Richtung des Hubzapfens überein stimmt, ist noch die Mittigkeit des Auges
zum Zylinder und dessen horizontale Ausrichtung zu überprüfen/anzupassen !
Einem Monteur mit viel Gefühl für das Material, Improvisationsvermögen zum Bau und Einsatz der
Werkzeuge und Gebrauch seiner geistigen statt körperlichen Kräfte würde ich das zutrauen :wink:

Allerdings besteht dabei immer die Gefahr von Haarrissbildung und dadurch ein kompletter Bruch
der Pleuelstange bei hoher Belastung :o
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

HeinklerChris
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Re: Pleuel verbogen

Beitrag von HeinklerChris » 26.05.2020, 06:23

Hallo zusammen,

vielen Dank für die vielen Antworten und eurer Unterstützung. Ich werde wohl den Motor ausbauen, zerlegen und eine "neue" Kurbelwelle einbauen. Das ist zwar bitter aber mir scheint das nach euren Ausführungen doch die beste/sicherste Variate zu sein. In diesem Zuge kann ich auch gleich den Rest des Motors begutachten. Wer weiß was da noch auf mich zukommt.... :o

Wie es zum Verbiegen der Pleuelstange kam ist für mich auch rätselhaft.

Grüße
Christian

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