Ölsorte

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Bernd Hünten
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Ölsorte

Beitrag von Bernd Hünten » 20.03.2019, 20:43

Ich bin auf folgende Ölsorte gestoßen.
https://www.rektol-klassik.de/product_i ... ml&Liter=5
Hat jemand von euch damit Erfahrungen gemacht oder eine fundierte Meinung dazu? Bitte keinen neuerlichen Glaubenskrieg. :roll:
Der auf Heinkelwetter wartet
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)

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heinkel-bernd
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Re: Ölsorte

Beitrag von heinkel-bernd » 20.03.2019, 23:24

Servus Bernd,

Nach den Datenblättern ist es sogar etwas hochwertiger als mein gebräuchliches :)
Allerdings auch fast dreimal so teuer. Aberdas soll nicht zur Diskussion stehen !

Laut Datenblatt: 1 = Rectol Regular 20W50 // 2 = Voitländer SAE 40 (mein gebr.)

Flammpunkt : 1 = >240°C// 2= > 245°C
Viskosität bei 40°C : 1= 185 mm²/sec // 2= 220 mm²/sec
Viskosität bei 100°C : 1= 20 mm²/sec // 2= 19 mm²/sec
Stockpunkt : 1= Minus 19°C // 2= Minus 9°C
Viskosität höhereZahl = dickflüssiger.

Bis auf den Flammpunkt zeigt das Rektol-Öl bessere Eigenschaften
Besonders bei "kalten" 40°C zeigt es ein viel besseres Fliessverhalten als das Einbereichsöl von Voitländer
was auch im Datenblatt besonders erwähnt wird :D
Auch beim Stockpunkt hat das Rektol die Nase weit vorne ! Bei -9°C sollte ich meinen Motor mit dem Voitländer
nach Möglichkeit nicht starten :?
Der "Stockpunkt", bei meinem mit "Pourpoint" bezeichnet, Ist lt. WikipetiA die Temperatur, bei der das Öl nicht mehr
selbstständig fliesst.

Ich muss gestehen, dass das mein erster Vergleich mit einer anderen Ölsorte ist :oops:
Mir war immer die Viskosität bei Betriebstemperatur und der Flammpunkt wichtig. Nachdem ich mir
aber über dubiose Schäden der rechten Kurbelwellenlager (andere Touristen) Gedanken gemacht habe,
kommt mir Dein Beitrag gerade recht :D

Herzlichen Dank dafür, lieber Bernd :P

Vielleicht sollte ich mir mal die Datenblätter anderer Oldtimeröle besorgen und diese in den
"theoretischen Test" mit einbeziehen :idea:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

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Bernd Hünten
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Re: Ölsorte

Beitrag von Bernd Hünten » 10.05.2019, 23:04

Liebe Heinkelfreunde!
Da bei uns wieder einmal die Frage nach dem „richtigen“ Öl im Raume stand, habe ich mit der Firma Rektol aus Korbach (www.rektol-klassik.de) einige Mails gewechselt und mich von den Fachleuten informieren und beraten lassen.
Ich möchte hier wie schon gesagt keine Werbung betreiben oder eine neue Diskussion in Gang setzen. Jeder Leser soll daraus seine eigenen Schlüsse ziehen und sein eigenes Urteil fällen. Dieser Beitrag dient nur der Information!
Hier eine Zusammenfassung des Schriftverkehrs:


Hallo Herr Hünten.
Die Öl- Angabe aus dem Handbuch ist „Mobiloil Special“ (Einbereichs- und Mehrbereichsöle = mit Polymeren).
Die Öl- Angaben aus allen Handbüchern, die wir bisher mit Ihnen ausgetauscht haben, ist Mobiloil Special.
Mobiloil Special waren legierte HD-Öle (mit Reinigungsmitteln) gemäß Spezifikation API-MS oder MM. (Siehe dazu Spezifikation einer originalen Mobiloil Special Öldose aus letzter Mail).
D.h. Verunreinigungen/Ablagerungen werden abgelöst und in Öl-Schwebe gehalten (auch an der Ventilschaft-abdichtung!!!).
Dies wird insbesondere auch noch einmal in den Handbüchern im Text beschrieben:
1. Beispiel siehe Anhang Handbuch aus 1965 (meine Anmerkung: Englisches Handbuch) auf Seite 42:
“Important: The HD-oils are lubricants with selected chemical additives which protect the engine specially against corrosion and prevent formation of residues”

2. Beispiel siehe Anhang Handbuch aus 1960 auf Seite 42:
„Zur Beachtung: Die heutigen Hochleistungsöle sind durch Beigaben ausgewählter chemischer Wirkstoffe hergestellte Schmiermittel, die den Motor zusätzlich gegen Korrosion und Rückstandsbildung, bei Verwendung eines Markenkraftstoffes schützen“

Die Verwendung von HD-Motorölen in Motoren ohne Ölfilter ist und war eine gängige Praxis. Neben vielen Motorrädern, Traktoren und Lkw ist das beste Beispiel der VW-Käfer, der bis unsere Zeit ohne Ölfilter mit HD-Öl (mit Reinigungsmitteln) betrieben werden musste. Dadurch sparte man sich die regelmäßige Demontage und Reinigung der Ölwanne.

In den Heinkel Handbüchern wird bezüglich einer Motor-Innenreinigung nur ein Spülen des Motors mit Motorenöl empfohlen. Wenn Sie wirklich unlegierte Regular-Öle (ohne Reinigungsmittel) verwenden, wird eine Motorspülung keine Ablagerungen lösen.

Bezüglich der Kaltstartviskosität siehe nachfolgende Tabelle:

Viskositäten Rektol Motorenöl 5°C 80°C 90°C 100°C 110°C
Viskosität SAE 20W-40 (mm²/s) 950 26 20 15 11
Viskosität SAE 20W-50 (mm²/s) 1350 33 24,5 19 15
Viskosität SAE 40 (mm²/s 1820 27,5 20 15 11
Viskosität SAE 50 (mm²/s) 2980 35,5 25,5 19 14,5

Sie sehen, dass unser REKTOL SC 20W-40 den besten Kompromiss darstellen würde = Geringe Kaltstart Viskosität und bei Betriebstemperatur genau SAE40 der Originalvorgabe.

Wenn Ihr Motor allerdings seit der letzten Generalüberholung schon viele Kilometer gelaufen hat, ist wiederum ein 20W-50 die bessere Wahl, da abnutzungsbedingte höhere Spaltmaße der Motorkomponenten mit höheren Viskositäten besser geschmiert werden.
Für den Schwingarm sollten Sie jedoch Einbereichsöl SAE 40 (Rektol SC 40) verwenden (siehe Anhang Seite 24).
Dies wird insbesondere auch noch einmal in den Handbüchern im Text beschrieben:
Aber man darf nicht vergessen, dass Motoröle auch ein internes Kühlmittel darstellen. Erhöhte Viskositäten verringern die Durchölungsgeschwindigkeit und damit die interne Kühlwirkung des Motorenöles. Eine solche Diskussion kann man endlos fortsetzen.

Ihre weiteren Fragen:
„Eine weitere Frage ist die der Scherstabilität: Sind den Ölen 20W-40 und 20W-50 bis zur Spezifikation SC Polymere zugesetzt?
Alle unsere Mehrbereichsöle enthalten Polymere und erfüllen die heutigen Anforderungen an die Scherstabilität von Longlife - Ölen, die mittels nachfolgenden normierten Testmethoden ermittelt wird.

DIN EN ISO 20844:2004-07 und ASTM 6278 und CEC-L-14-A-93
„Mineralölerzeugnisse und verwandte Produkte - Bestimmung der Scherstabilität von polymerhaltigen Ölen mit Hilfe einer Bosch-Injektor-Pumpe“.

Anforderung: Nach 30 bzw. 90 (Longlife) Scherzyklen darf die Viskosität eines Motorenöles nicht unter die angegebene Viskositätsklasse fallen. Diese Anforderung wird bei den Motorenhersteller als „Stay in Grade“ bezeichnet.

„Sind in diesen Ölen Dinge enthalten, die die Kupplung rutschen lassen?“
Schädlich für Kupplungen sind Vollsyntheseprodukte (z.B. Ester- Ölanteile) und Reibwertverminderer, die heute in allen modernen Ölen zu finden sind. Unsere Klassik Motorenöle enthalten keine Inhaltsstoffe, die sich negativ auf die Kupplung auswirken könnten.

„Da viele das unlegierte Öl fahren, können sie einfach auf SC wechseln?“
Natürlich! Da SC und auch SB Qualitäten eine Reinigungswirkung haben, müsste nach Umstellung auf SC/SB erst einmal nach 500km ein frühzeitiger Ölwechsel erfolgen, um die Ablagerungen zu entfernen, die sich im Öl gelöst haben. Danach nochmal nach 1000km wechseln und danach erst das normale Ölwechselintervall ausführen.

Soweit der zusammengefasste Schriftverkehr.
Ich selbst gebe zu Bedenken, dass der Motor durch die Entlüftung jede Menge Straßendreck ansaugt. Eine Entlüftung in den Vergaser mittels eines Zwischenstückes hält das Öl viel länger sauber. Hierzu gab es im Forum auch schon einen Bericht, den ich bestätigen kann. Zur Zeit habe ich bei meinem Roller einen Luftfilter von Louis für die Ölentlüftung einer Harley an den Entlüftungsschlauch angeschlossen. Diese Filterwirkung ist nicht so gut wie die Ableitung in den Vergaser.
Ich habe als Versuch bestellt: REKTOL SC 20W-40

Heinkel-Bernd: Vielleicht löst das auch dein Problem mit dem rechten Kurbelwellenlager.

Bernd


P.S. Die Tabelle wird leider nur so aus Word übernommen.
Ich habe in der Montageanleitung Heinkel Tourist von 4.59 noch einmal nachgelesen. Dort steht unter Schmierstoff nur folgendes:
Markenöl wie "Mobiloil Spezial" für das ganze Jahr verwenden
Im Anhang für den 103 A2 von Juli 1961 steht:
Markenöl wie "Mobiloil-Spezial" SAE 10 W/30 für das ganze Jahr oder Mobiloil AF SAE 40 im Sommer, Mobiloil A SAE 30 im Winter
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)

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heinkel-bernd
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Re: Ölsorte

Beitrag von heinkel-bernd » 11.05.2019, 21:06

Servus Bernd,

ganz lieben Dank für Deine Recherchen und Anfragen zum "leidigen" Thema "welches Motorenöl ?" :D
Bernd Hünten hat geschrieben:
10.05.2019, 23:04
Heinkel-Bernd: Vielleicht löst das auch dein Problem mit dem rechten Kurbelwellenlager.
Ist zwar nicht mein alleiniges Problem, sehe mit diesem Öl aber schon eine bessere Ölversogung
insb. des rechten K.W.-Lagers beim Kaltstart :)

Bei Gelegenheit möchte ich dieses Öl jedenfalls mal testen :wink:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

elsterracer
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Re: Ölsorte

Beitrag von elsterracer » 13.05.2019, 12:03

Bernd Hünten hat geschrieben:
10.05.2019, 23:04
Liebe Heinkelfreunde!
Da bei uns wieder einmal die Frage nach dem „richtigen“ Öl im Raume stand, habe ich mit der Firma Rektol aus Korbach (www.rektol-klassik.de) einige Mails gewechselt und mich von den Fachleuten informieren und beraten lassen.
...
Hier eine Zusammenfassung des Schriftverkehrs:
Hallo Bernd,
vielen Dank für die Info!
Das bringt für mich nochmals mehr Licht in das Thema.

Sonnige Grüße
Martin

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