Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Motor-Vergaser-Antrieb
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heinkel-bernd
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Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Liebe Heinkel-Techniker :wink:

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass/ob beim A-1/A-2 Motor in den meisten Schadensfällenfällen nur das
rechte K.W.-Lager betroffen ist ?

Mein aktueller Fall an einem 103 A-1 Motor zeigte einen völlig zerstörten Lagerkäfig im rechten K.W.-Lager,
(Foto davon im nächsten Beitrag)
am Linken konnte noch kein Verschleiß festgestellt werden :?

Da ich auch an meinem "frisierten" A-2 Motor nach ca. 13.000 km zufällig schon ein vergrößertes Spiel am rechten
K.W.-Lager festgestellt habe, suchte ich an den Gehäusehälften eines A-1 und A-2 Motor die Ölzufuhr zum
K.W.-Lager so wie sie in den linken Gehäusehälften und auch in der Rechten des A-0 Motors ausgeprägt ist :shock:
Ölzuführung am linken Lager .JPG
Ölzufuhr am rechen Lager bei A-0 Motor .JPG
.
Die rechten Gehäusehälften des A-1/A-2 Motors besitzen dagegen keine Ölzuführungen zum entspr. K.W.-Lager !
fehlende Ölzufuhr.JPG
.
Ich kann mir vorstellen, dass die schnell rotierende Kurbelwange dem kalten zähflüssigen Öl keine große Möglichkeit
bietet, durch den Spalt von ca. 1 mm das Lager ausreichend zu schmieren :(

Fortsetzung im nächsten Beitrag :wink:
Zuletzt geändert von heinkel-bernd am 14.01.2018, 01:45, insgesamt 1-mal geändert.
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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heinkel-bernd
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Mein Versuch, eine bessere Schmierung des rechten K.W.-Lager zu erzielen,
sieht folgendermaßen aus :

In die Wand neben der Kurbelwange schleife ich drei Nuten ein, deren Richtung aber nicht
auf die Mitte der K.W. zeigen sondern jeweils in Drehrichtung davor.
Damit versuche ich zu erreichen, dass nachfließendes Öl durch die rotierende Kurbelwange leichter nach innen
zum Lager befördert wird :wink:
3 Ölnuten.JPG
Spalt .JPG
.
Diese Lagerschäden bestärken nochmals deutlich die Empfehlung, den kalten Motor schonend warmzufahren bis
die Ölversorgung an den Lagern wieder sichergestellt ist !

Und so sieht ein Lager mit zerstörtem Käfig aus :(
Ölmangel,     Käfig zerstört .JPG
.
Über Erfahrungsberichte, das rechte K.W.-Lager betreffend, würde ich mich freuen :D
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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Bernd Hünten
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von Bernd Hünten »

Hallo Bernd,
ich habe ja nun schon einige Motoren zerlegt, ein defektes Kurbelwellenlager hatte ich noch nie dabei! Pleuellager ja, die gaben immer zuerst den Geist auf. Zwei ausrangierte Kurbelwellen im Keller habe ich eben noch einmal in die Hand genommen, die Lager laufen butterweich ohne fühlbares Spiel und haben noch einen spürbaren Ölfilm. Nach meiner Meinung kommt da auch genug Öl hin, obwohl es durch die Umdrehung der Kw nach außen geschleudert wird.
Einen Lagerschaden kann ich mir nur vorstellen bei zu wenig Öl, einer nicht ausgewuchteten Lima, durch Späne im Öl, einen Montagefehler (Blechstreifen 35/1 vergessen), durch verschiedene Motorhälften oder nicht auf die Kw abgestimmte Kolben (anderes Gewicht, Unwucht).
Auch bei einem brachialen Kolbenfresser 1965 durch ein defektes Pleuellager hatten die Kw-Lager nach Aussage der Werkstatt keinen Schaden erlitten. Die Nuten können ja nicht schaden, aber wenn sie nötig wären, wären sie werksseitig sicherlich gesetzt worden.

Bei meinem Roller glimmt die Ladekontrollleuchte wieder bei hohen Drehzahlen. Lima und Kohlen (generalüberholt durch den Club) haben jetzt knapp 19 000 km gelaufen. Ich werde die Kohlen kontrollieren und die Batterie, die schon Startschwierigkeiten macht, ersetzen.

:!: Übrigens, deine von dir selbst verstiftete Hinterradnabe hält jetzt gut 6000 km! Das ist gute handwerkliche Arbeit!! :!: :D
Liebe Grüße nach Bayreuth und umzu!
Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Hünten am 15.01.2018, 10:13, insgesamt 1-mal geändert.
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)
GerhardM
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von GerhardM »

Hallo Heinkelfreunde,
der Schaden am rechten Kurbelwellenlager ist nach meiner Einschätzung kein Einzelfall.
Bei einem Heinkelfreun aus meiner Nähe, dem ich beim Zerlegen des Motors half, war das rechte Kurbelwellenlager in ähnlicher Weise beschädigt wie auf dem Bild oben. Bei diesem Zustand machte der Motor schon "ziemliche Geräusche", deren Ursache nach dem Zerlegen sofort klar war.
VG Gerhard
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heinkel-bernd
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Bernd H.,
Danke für Deine Einschätzung :)
Nachdem mir nun zwei aufeinanderfolgende gleiche Schäden am A-1 und A-2 Motor afgefallen sind, interessiert es mich einfach,
WENN ein K.W.-Lager defekt ist, es immer, oft oder selten das rechte Lager betrifft und in welchem Motor es gelaufen ist :wink:
Wie ja bekannt ist, waren die werksmäßigen Änderungen an der Heinkeltechnik nicht immer nur Verbesserungen :?
Ich freue mich, dass die reparierte Bremstrommel-Verzahnung noch fest ist ! Da habe ich wohl ein glückliches Händchen gehabt :oops:

Servus Gerhard,
Vielen Dank für Deine Antwort :P
Was für meine Recherche jedoch noch wichtig wäre: In welchem Motor-Typ (102 A-1, 103 A-0 / A-1 / A-2) war dieses Lager verbaut ?
Und Du hast Recht: Ein defektes K.W.-Lager mach schon gewaltig Lärm :mrgreen:

Servus Heinkelschrauber,
ich bitte auch diejenigen, die schon das Pech mit schadhaften K.W.-Lagern hatten (egal ob rechts oder links), mir hier ihre
Erfahrung mitzuteilen :D
Wie oben schon erwähnt, ist mir dabei der Motor-Typ sehr wichtig !
Ich danke schon mal herzlich für Euere Mitarbeit
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
GerhardM
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von GerhardM »

...es war ein 103A1.
VG Gerhard
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Bernd Hünten
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von Bernd Hünten »

Das mit dem Ölstand ließ mir keine Ruhe, ich habe deswegen gleich einmal am Motor probiert. In dem Bild ist der Motor waagerecht ausgerichtet, auch das Holzstück liegt waagerecht.
Ölstand 1.jpg
Ölstand 3.jpg
Hiernach müssten die Lager eigentlich gut mit Öl versorgt werden zumal die Kurbelwelle genug Öl zum Verteilen hat und verteilt.
Bernd

Nachtrag vom 17.01.18
Die beiden Bilder oben müssen im Zusammenhang gesehen werden. Das obere Bild zeigt die Höhe der Ölstände. Der Holzstab im unteren Bild zeigt nicht den maximalen Ölstand an, sondern der liegt darunter. Wieviel läßt sich mit Hilfe des oberen Bildes erkennen. Ich konnte den Stab nicht anders befestigen. :oops:
Zuletzt geändert von Bernd Hünten am 17.01.2018, 14:51, insgesamt 1-mal geändert.
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)
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oldbiker
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von oldbiker »

Hallo BERND,
so einen Lagerschaden hatte ich an meinen A1 und A2 noch nie...zusammen mehr als 100t km.
Wohl war das rechte Lager mal auf dem Kurbelwellenzapfen lose. Habe das dann mit Loctide hochfest wieder (auf Dauer) fest bekommen.
Wie schon von Heinkel Bernd angenommen, würde ich auch (zeitweisen) Ölmangel oder Unwucht der Lima vermuten.
Generell interessant wäre mal eine "Schadensstatistik" was so am Heinkel am meisten defekt geht.
Kenne mich leider mit Exel Tabellen nicht so aus...könnte ggf. vom Admin hier im Forum eingerichtet werden und jeder der z.B. einen Schaden "rechtes Kurbelwellenlager defekt" oder "Auslassventil abgerissen" usw. hat, trägt das da ein ggf. noch ein kurzer Kommentar.
Gruß
Dietmar
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heinkel-bernd
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Bernd H.,
Bernd Hünten hat geschrieben: 15.01.2018, 11:18 Das mit dem Ölstand ließ mir keine Ruhe, ich habe deswegen gleich einmal am Motor probiert.
Das ging mir jetzt genauso, nachdem ich wieder ein altes abgeschliffenes Lager eingelegt habe.
Mei Ergebnis fällt aber etwas negativer aus :?
(Ölmesstab original mit alter Gummidichtung)
Ölstand max .JPG
.
Das Motoröl erreicht bei max Ölfüllung gerade mal die Unterkante des äußeren Lagerrings !
Dabei muss man bedenken, dass nach den ersten K.W.-Umdrehungen die Mulde unter der K.W. "ausgeschöpft" ist
und dann nur noch so viel Öl in diese Mulde nachläuft, wie es dies Kerbe zulässt :wink: (siehe unteres Foto)
.
Kerbe für Ölnachlauf .JPG
.
Dass sich die Kurbelwangen bei erhöhter Drehzahl nicht in der komplett gefüllten Mulde drehen ist auch beabsichtigt.
Ich kann mir vorstellen, dass dadurch das Motoröl stark schäumen würde und auch Leistung verloren ginge.

Beim Kaltstart stelle man sich die Situation so vor:
Nach dem Abstellen des betriebswarmen Motors läuft das noch warme und dünnflüssige Öl komplett aus dem inneren
Bereich des Kugellagers heraus. Bis nach dem Starten des kalten Motors die Kugeln und v.a. der Käfig des rechten
K.W.-Lagers wieder ausreichend mit dem noch zähfliessendem Öl versorgt sind, kann es schon eine gewisse Zeit dauern.
Und das ist m.M. die kritische Zeitspanne :(

Mit meinen Ansichten stehe ich auch nicht alleine da. In solchen Fällen wird auch mein befreundeter und begnadeter
Auto-Tuner um seine Meinung gefragt :wink:

Wenn sich jemand, so wie ich, schon mal gefragt hat, wie solche Kugellager überhaupt zusammengebaut werden,
den kann ich jetzt auch aufklären :
viewtopic.php?f=1&t=2835
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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Bernd Hünten
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Re: Ölmangel am rechten Kurbelwellenlager ?

Beitrag von Bernd Hünten »

Ich habe zu meinen beiden Bildern oben einen Nachtrag hinzugefügt.
Den Holzstab habe ich etwas ungünstig plaziert, wollte aber wegen der Befestigung keinen größeren Aufwand treiben. :oops:
Insofern stimmen beide Ölstände der Bernds überein.
Dennoch sehe ich das nicht ganz so kritisch wie Heinkel-Bernd. Linkes Kw-Lager, Nockenwelle, Getriebe, alles liegt nicht im Öl und muss erst versorgt werden. Die Kraftübertragung liegt auf dem linken Lager. Und, der Ölstand ist ja nur Theorie: Wenn ich den Roller vom Bock hole, schwappt das Öl von hinten nach vorn, wenn ich mich daraufsetze von links nach rechts, in den Kurven , beim Bremsen, . . .
Natürlich ist eine direkte Ölversorgung des Lagers immer besser.
Als ich meinen 200er Kolben gekauft und eingebaut habe, wurde ich daraufhin gewiesen, dass ich wegen des größeren Gewichtes unbedingt die Kurbelwelle auswuchten lassen müsse, es seien sonst Lagerschäden zu befürchten. Italienische Kolben haben z. B. auch eine größere Masse als unsere alten.
Eine Frage wäre auch die nach dem Produzenten der Lager. Hatte das C3 Lager eine zu große Toleranz? Vielleicht war die Toleranz aber zu gering (C 2 Lager) und es wurde zu heiß? Ich weise hier auf das kleine Kettenrad in der Schwinge von Club hin, das nicht ganz maßhaltig war und mich zur Verzweiflung getrieben hat.
Wie wirkt sich denn ein falsches Drehmoment beim Befestigen der Lima auf das Lager aus. Saß das Lager richtig auf dem Kw-Zapfen? Hat vielleicht eine Unterleg-, Distanzscheibe der Kipphebel oder eine Mutter das Lager geschädigt? (alles schon im Motor gefunden!)
Fragen über Fragen.
Vielleicht erhalten wir ja noch mehr Berichte über defekte Kw-Lager? Ich bin neugierig auf die Antworten.
Bis dahin: Frohes Schrauben und warten auf besseres Wetter!
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)
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