Was lange stand wird hoffentlich laufen

Benutzeravatar
Lancelot20
Beiträge: 24
Registriert: 18.10.2018, 09:41

Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von Lancelot20 » 16.04.2019, 20:09

Hallo zusammen,

ich bin Dennis, 38 Jahre und komme aus dem schönen Rheinhessen. Mein Onkel hatte vor etlichen Jahren einen Heinkel Tourist erworben um ihn zu restaurieren. Leider ist er nie dazu gekommen, so dass ich mich nun dem Roller angenommen habe.
Erfahrungen habe ich bisher an einer Vespa PX80E, mehreren MGF und einem T2 sammeln können, weshalb ich mir das schon zutraue.
Da sicherlich noch die ein oder andere Frage uftauchen wird, werde ich die Restauration hier etwas dokumentieren.

Der Roller müsste Anfang der 70er Jahre das letzte mal gelaufen sein, zumindest konnte ich das auf dem Tüv Stempel erkennen, kann aber auch später gewesen sein. Evtl kennt ja jemand den Roller, denn er hatte ein paar individuelle Aufkleber / Marken am Beinschild. Das letzte Kennzeichen war BIN-C 590.

Aktuell habe ich den Roller fast komplett zerlegt und alle Einzelteile / Schrauben eingetütet und beschriftet, damit auch alles wieder gefunden wird.
Am Ende soll der Roller (bitte nicht schimpfen) in den VW Farben Pastellweiß und Leuchtorange lackiert werden, so dass er zu unserem T2 passt.

Selbstverständlich bin ich auch direkt in den Heinkel-Club eingetreten.

Hier mal ein paar Fotos:
Dateianhänge
Forum5.jpg
Forum4.jpg
Forum3.jpg
Forum2.jpg
Forum1.jpg
Aktuell komplett zerlegter 103-A2

Gruß Dennis

Benutzeravatar
velorex350
Beiträge: 72
Registriert: 12.11.2018, 08:22
Wohnort: Rosenheim

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von velorex350 » 16.04.2019, 22:54

Na dann viel Spass! Du bist hier richtig, Hilfe ist nicht weit. Mir wurde hier auf die verschiedensten Fragen geholfen.
103A2 von 1964, mein erster Viertaktroller! Cezeta, Vespa, Velorex und Co haben blaue Fahnen
#9656
Um nicht umzufallen reichen drei Räder, drum gibt's den Velorex :lol:

Benutzeravatar
Lancelot20
Beiträge: 24
Registriert: 18.10.2018, 09:41

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von Lancelot20 » 17.04.2019, 08:28

Ziel des Ganzen ist am 11.08.19 startklar zu sein um an der Oldtimerausstellung in Alzey teilzunehmen. Der Roller ist von den Teilen komplett, der Tank war leer und sieht von Innen sehr gut aus. Sogar das Öl hat ne ordentliche Farbe.
Freue mich schon auf das erste Probestarten.
Aktuell komplett zerlegter 103-A2

Gruß Dennis

Benutzeravatar
Lancelot20
Beiträge: 24
Registriert: 18.10.2018, 09:41

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von Lancelot20 » 21.04.2019, 19:08

So heute mal wieder den freien Tag genutzt um am Heinkel weiter zu machen. Habe den Rahmen nun vom Motor getrennt und auch den Kabelbaum und die Züge entfernt. Werde den Rahmen wohl auch lackieren wenn ich schon mal dran bin.
Lider ist der hintere Stoßdämpfer in seine Teile zerfallen, und es lief etwas Öl aus. Welches benötige ich denn um den wieder zu befüllen?
Die Motorlager sahen erstaunlicherweiße alle noch sehr gut aus.

Gruß und frohe Ostern
Aktuell komplett zerlegter 103-A2

Gruß Dennis

Benutzeravatar
Lancelot20
Beiträge: 24
Registriert: 18.10.2018, 09:41

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von Lancelot20 » 26.04.2019, 09:17

Gestern habe ich den Roller weiter zerlegt, fast komplett, nur bekomme ich das rechte Luftleitblech um den Motor nicht ab. Die Schrauben sind alle ab, nur stößt es egal wie ich es drehe immer am Ansaugstutzen an. In der Schrauberbibel fehlt leider genau dieses Bild.
Gibt es da einen Trick?
Aktuell komplett zerlegter 103-A2

Gruß Dennis

Benutzeravatar
Lancelot20
Beiträge: 24
Registriert: 18.10.2018, 09:41

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von Lancelot20 » 27.04.2019, 09:20

Das Luftleitblech habe ich nun total einfach entfernen können. Manchmal hilft es wenn man ne Nacht drüber schläft und es einfach nochmal probiert. Geht ja logischerweise auch nur in eine Richtung ab.
Da kam dann folgendes zum Vorschein:
Forum12.jpg
Der Motor ist irgendwo an Zylinder undicht und das Öl und der Dreck der letzten (50?) Jahre ist da wohl rausgelaufen. Ich habe den Zylinder dann komplett demontiert und siehe da, alle 3 Dichtungen sind nicht mehr zu gebrauchen. Hier hat sich die Mitgliedsschaft im Heinkel-Club schon gelohnt.
Leider ist der ganze Dreck auch bis runter in die Lichtmaschine. Um das zu reinigen muss die wohl ab. Kann man den Teil einfach abschrauben, oder fällt mir dann eine Motorhälfte entgegen?
Forum14.jpg
Auf dem Ventildeckel ist unter einer Schraube ein Stück gebogenes Metall, sieht so aus al wäre da ein Kabel (Masse?) befestigt gewesen, habe aber keine Ahnung was das ist.
Forum16.jpg
Dank der Schrauberbibel konte ich den Kopf problemlos demontieren. Das war auch gut, denn der Brennraum war stark verkokt, die Ventile schließen sicherlich nicht mehr 100%
Den Kolben habe ich mit 600er Naßschleifpapier ordentlich gereinigt, der sieht später fast aus wie neu.
Forum24.jpg
Da ich den Rahmen wohl auch neu lackiere muss vorher noch die Fußbremse ab. Hier habe ich aber keine Idee wie ich den Bolzen rausbekomme. Mit einem Durchschlag ist hier nix zu machen. Ich befürchte der ist genietet und muss aufgebohrt werden. Sollte dies der Fall sein, dann bleibt die beim Lackieren drin und wird vorher abgeklebt.
Forum9.jpg
Aktuell komplett zerlegter 103-A2

Gruß Dennis

Benutzeravatar
Lancelot20
Beiträge: 24
Registriert: 18.10.2018, 09:41

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von Lancelot20 » 27.04.2019, 09:23

Was die Dichtungen betrifft:
Ich habe gerade im Shop gesehen das es hier verschiedene gibt. Wo genau liegt denn der Unterschied?
Aktuell komplett zerlegter 103-A2

Gruß Dennis

Benutzeravatar
heinkel-bernd
Beiträge: 1786
Registriert: 13.01.2011, 21:07
Wohnort: 95517 Hauendorf bei Bayreuth

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von heinkel-bernd » 27.04.2019, 17:39

Servue Lancelot20,
Ich befürchte der ist genietet und muss aufgebohrt werden. Sollte dies der Fall sein, dann bleibt die beim Lackieren drin und wird vorher abgeklebt.
Restaurieren geht aber anders :mrgreen:

Anhand der Bilder in der Preisliste der GmbH kann man in den meisten Fällen erkennen, wie das Teil
genau aussieht :wink:
Und wenn man nicht ganz unbeholfen ist, kann man sich auch gut vorstellen, wie es (de)montiert wird.

Ein Beispiel: Lagerbolzen für das Bremspedal.
Ist in der Preisliste sehr schwer aber mit etwas Geduld beim Fußbremsbowdenzug auf der Tafel 16
"Lenker/Bedienung/Armaturen" zu finden.
Auf dieser Tafel ist dieser Bolzen unter der Nr. 57 aufgeführt. Wenn Du auf die Artikelbezeichnung klickst,
erscheint eine grössere Abbildung dieses Teils :D
Allerdings gilt das nicht für alle Teile aber einen Versuch ist es immer wert :wink:
In Deinem spez. Fall wird der Bolzen nur in den Lagerbock geschoben und mit der gebogenen Blattfeder am
Lagerbock gesichert :wink:
Nach vielen Jahrzehnten rostet dieser natürlich in seinen Führungen fest. Die scharfe Flamme eines Schweiss-
brenners wäre in solchen Fällen immer hilfreich, wobei beim Austreiben des Bolzens immer mit einem schweren
Metallstück oder Hammer gegen gehalten werden muss. Bei dem Lagerbock handelt es sich um Stahl- oder Feinguss,
was leicht abbrechen kann :(
Rostlöser und Bunsenbrenner sind zwar besser als nichts, führen aber in vielen Fällen nicht zum Erfolg.
Vielleicht hast Du aber auch Glück :D

Über Kopf- und Fußdichtungen ist hier im Forum auch schon viel geschrieben worden;
Einfach mal die "Suche" benutzen !
Wenn Du dann noch spezielle Fragen dazu hast, wird Dir sicher gerne weiter geholfen ehe wir hier eine
komplette Abhandlung aller in Frage kommenden Möglichkeiten nochmals mühsam aufzählen müssen :?

Etwas Wichtiges aber im Allgemeinen:
Wenn der Kolben im Zylinder schon einige Tausend km gelaufen ist und der gleiche Zylinder wieder
verwendet wird, muss dieser in der exakt gleichen Höhe wieder montiert werden !
D.h., es ist eine Fußdichtung mit der gleichen Dicke zu verwenden, was aber schwierig zu berechnen ist,
da sich jede neue Dichtung beim Einfahren noch etwas "setzt"!
In diesen Fällen verwende ich die alte entfettete Fußdichtung und setze sie, beidseitig mit Gehäusedichtmittel
versehen, wieder ein :wink:
Der Grund dafür ist, dass sich durch die Kolbenringe an deren obersten und untersten "Umkehrpunkte" im Zylinder
ein Absatz gebildet hat, an dem sich die Ringe bei veränderter Lage des Zylinders stossen können :shock:

Viel Erfolg beim Schrauben und noch jede Menge Geistesblitze beim Überschlafen :idea:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

Benutzeravatar
BerndSt
Beiträge: 513
Registriert: 19.09.2012, 21:42
Wohnort: Penzberg

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von BerndSt » 27.04.2019, 18:42

Servus Dennis,
Lancelot20 hat geschrieben:
27.04.2019, 09:20
Auf dem Ventildeckel ist unter einer Schraube ein Stück gebogenes Metall, sieht so aus al wäre da ein Kabel (Masse?) befestigt gewesen, habe aber keine Ahnung was das ist.
Das Teil kannst Du auch weglassen. Das ist eine - bei Dir abgebrochene - Halterung für den Gaszug. Sie ist aus Draht, ca. 5cm lang und hat am anderen Ende eine Öse, in die der Gaszug eingehängt werden kann. Kann man haben, geht aber auch ohne.

Ansonsten empfehle ich Dir dringend :!: den Download und das anschließende Studium der Montageanleitung. Die gibt es beim Club auf der Homepage in der Sektion "Download".

Die legst Du Dir nach dem Durchlesen am besten mehrere Nächte lang unter das Kopfkissen, bis Du sie auswendig kannst. :lol: Und danach druckst Du sie Dir aus und legst sie als dauerhafte Referenz auf die Werkbank.

Du wirst merken, dass die Montageanleitung viele wertvolle Tipps und Erklärungen liefert.

Viel Erfolg und Spaß weiterhin,
Bernd
SNAFU!

Benutzeravatar
Lancelot20
Beiträge: 24
Registriert: 18.10.2018, 09:41

Re: Was lange stand wird hoffentlich laufen

Beitrag von Lancelot20 » 27.04.2019, 20:37

Danke Bernd (s) für die Tips.

Das mit dem Bolzen für den Fußbremshebel habe ich verstanden, nur muss man erst mal drauf kommen den unter Lenker/Bedienung/Armaturen zu suchen :lol:
Ist mit ordentlich WD40 versorgt, die Tage geht der bestimmt ganz leicht raus.

Der Roller hat knapp 16.000km gelaufen. Keine Ahnung ob das jetzt viel ist, aber der Zylinder sieht an der Innenwand sehr gut aus. Werde wohl zu der original Dichtung tendieren, aber bis dahin ist noch genug anderer Kram zu tun :?

Die Halterung für den Gaszug werde ich dann mal entfernen, ggfls eine neue bauen, mal sehen.

Die Montageanleitung habe ich sogar schon geladen, aber gar nicht mehr dran gedacht. Werde sie morgen drucken, dann kommt sie in den Ordner und ist griffbereit. Danke, hätte ich total vergessen.

Den Deckel der Lichtmaschiene habe ich jetzt ab. Man sitzt da überall viel Dreck drin. Unglaublich was sich da so ansammelt und vor allem nach den vielen Jahren Standzeit so festbackt.
Jetzt geht es erst mal an's Säubern der ganzen Teile. Da werden wohl einige Dosen Teilereiniger drauf gehen. Den Rahmen habe ich schon teilweise entlackt, sowie das Beinschild.

Danke nochmals für die Hilfe. Gruß Dennis
Aktuell komplett zerlegter 103-A2

Gruß Dennis

Antworten