Anlasser Lichtmaschine sieht nicht gut aus

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heinkel_ekki
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Anlasser Lichtmaschine sieht nicht gut aus

Beitrag von heinkel_ekki »

Guten Morgen nach Deutschland.
Ich bin beim Restaurieren des Zweitmotors meines 103 A2. Ersatzteile sind bestellt, aber die Lichtmaschine macht mir Sorgen. An einigen Stellen ist der Ueberzug der Kupferkabel dem Alter zum Opfer gefallen. Ich habe versucht das hier reparieren zu lassen, aber in 3 Laeden erhielt ich die gleiche Auskunft, sie haetten keine Kupferkabel dafuer. Offensichtlich ist auch in Thailand die neue Zeit angebrochen, in der nicht mehr repariert sondern nur noch ausgetauscht wird. Was kann ich machen und wie schlimm sind diese blank liegenden Kupferkabel?
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verbert
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Re: Anlasser Lichtmaschine sieht nicht gut aus

Beitrag von verbert »

Moin Ekki,

ich nutze mal diese norddeutsche Grußformel, da sie so wunderbar tageszeitunabhängig ist.
Zunächst einmal: Ja, Dein Stator sieht in der Tat nicht mehr so gut aus – aber wer sieht schon noch gut aus, mit 60 Jahren? :-) Wirklich zählen – wie immer eben – vielmehr die inneren Werte.
Dein Magnetsystem (Stator) kann ja nicht gut aussehen und trotzdem völlig in Ordnung sein. Wichtig dazu ist, dass Du zunächst mal mit einem ganz normalen Wald-und-Wiesen-Mulitmeter prüfst, wie hoch der Widerstand von einem der Kabelenden zu Masse ist. Wenn Du da Durchgang hast, also ein Widerstand von wenigen Ohm, dann hast Du einen Massenschluss. Sollte das der Fall sein, einfach weiterlesen.

Aber vielleicht liegt ja gar kein Massenschluss vor. Du hast also einen Widerstand im Kiloohm- oder besser noch im Megaohm-Bereich gemessen, dann kann Dein Magnetsystem zwar nicht schön aussehen, aber dennoch völlig in Ordnung sein.

Leider aber nur: kann. Es kann, muss aber nicht in Ordnung sein. Oder lief der Roller damit, bevor Du ihn auseinandergenommen hast? Wenn ja, dann ist ja alles gut – also fast.

Gegen wir mal davon aus, dass der Roller damit lief. Dann ist das allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis er es nicht mehr tut. Und zwar aus folgendem Grund:

Die Außenisolierung – irgendein in die Jahre gekommenes Textilband – löst sich auf. Teile davon sind bereits weggebröselt. Sobald diese Textilisolierung auch unter den Polschuhen wegbröselt, wird es nicht mehr lange dauern, bis die Polschuhe durch die Motorvibrationen die Lackisolierung der Kupferdrähte weggescheuert haben und spätestens dann hast Du einen Massenschluss.

Dem kannst Du entgegenwirken bzw. zuvorkommen. Du musst die Spulenkörper abnehmen und ich rate Dir, nimm sie alle ab, auch wenn die Isolierung nicht bei allen beschädigt scheint.

Dazu musst Du die Schlitzschrauben lösen. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Die Biester sind für gewöhnlich verstemmt und lassen sich eigentlich nur mit einem Schlagschrauber lösen (mir ist es jedenfalls noch nie anders gelungen). Dabei gibt die eine oder andere Schraube auch gerne ihren Geist auf. Oder Du musst sie sogar ausbohren. Wenn Du das geschafft hast, kannst Du den ganzen Spulenkörper am Stück abnehmen. Jetzt kannst Du die einzelnen Spulen neu isolieren. Aber nimm da kein normales Isolierband, ich nehme immer das 27U von 3M. Das ist so ein Glasgewebeband. Ob es andere Produkte gibt, die gleichwertig oder besser sind – mag sein, ich weiß es nicht. Dieses Band gab mir nie Anlass zum Klagen.

Wenn Du damit fertig bist, baust Du alles wieder zusammen. Aber ACHTUNG! Die Schrauben, mit denen Du die Polschuhe befestigst, müssen fest sein und sie dürfen nicht über die Polschuhe herausstehen, denn viel Platz zum Rotor ist da nicht. Und fest bedeutet wirklich fest. Ob verstemmt oder mit Schraubensicherung – wie auch immer, aber sie dürfen sich niemals lösen. Denn wenn so einen Schraubenkopf in den laufenden Rotor kommt, dann ist Deine LIMA endgültig hinüber, dann brauchen wir nicht mehr über das Aussehen zu diskutieren.

Und noch etwas ganz Wichtiges: Die Spulen dürfen nach der Montage nicht wackeln, die müssen von den Polschuhen satt festgeklemmt werden. Wenn die sich bewegen, machen Dir die Vibrationen in kürzester Zeit Deine Isolierung wieder kaputt.

So, wenn Du das alles gemacht hast und die LIMA bis zum Ausbau noch funktionierte, dann ist jetzt alles wieder gut.

Falls Du einen Massenschluss messen konntest, dann ist dieser jetzt höchstwahrscheinlich behoben. Das kannst Du jetzt messen.

Wenn Deine Lichtmaschine bis zum Ausbau funktioniert hat, dann wird sie das also auch jetzt wieder tun. Wenn sie aber nicht funktioniert hat oder Du es nicht weißt, dann kann sie jetzt wieder gehen, muss sie aber nicht.

DENN: Du weißt nicht, ob einige Deiner Spulen einen Windungsschluss haben. D.h. die Lackisolierung der Drähte zerstört ist und sie untereinander Kontakt haben. Mit einem Multimeter kannst Du das nicht prüfen. Da Du hierfür die Impedanz, also den Wechselstromwiderstand messen musst. Das ist mit Bordmitteln nicht zu machen.

Wenn Du einen zünftigen Windungsschluss hast, dann wird es aufwändig, denn dann müssen neue Spulen her. Aber dann schauen wir mal. Beim Film sagen wir immer: Die Ruhe bleibt, das gilt auch hier.

Zu Deiner Beruhigung:
Ich bin mir sehr sicher, dass viele Magnetsysteme hier und da einen Windungschluss haben. Gut, dann bringt die Maschine vielleicht nicht mehr die volle Leistung, aber hinüber ist sie noch lange nicht. Dazu ein aufschlussreiches Bild: Man sieht links eine Spule eines Bosch-Magnetsystems und rechts eine Spule des SIBA-Magnetsystems im Schnitt. Man kann gut erkennen, wie sich die Drähte im Laufe der Jahrzehnte regelrecht ineinander gearbeitet haben – da wird es immer mal den einen oder andern Windungsschluss geben.
Schnitt durch eine Erregerspule. links Bosch; rechts SIBA
Schnitt durch eine Erregerspule. links Bosch; rechts SIBA
Also nicht den Mut verlieren.

Meld Dich, wenn Du Hilfe brauchst.

LG volker aus Wiesbaden
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