Zündung Zündsysteme

Elektrik-Kabel-Schalter-Anlasser-Lima
GerhardM
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Zündung Zündsysteme

Beitrag von GerhardM »

ich habe mit Interesse die Beiträge zur Kennlinien-Zündung gelesen, ebenso verschiedene Beiträge zur Steini-Zündung.

Ich bin nun am Überlegen, mir eines der Zündsysteme (ich habe zwei Fahrzeuge: einen 103A1 und 103A2) zuzulegen. Dazu hätte ich gerne etwas mehr Hintergrundwissen in der "aufbereiteten" Form für einen interessierten Laien.

Dazu mein Wissensstand und meine Fragen:
Zündung mit Unterbrecherkontakten:
Strom fließt bei geschlossenen Unterbrecherkontakten ( +Batterie->Zündschloss->Zündspule 15(+)->Zünspule 1(1)->Unterbrecherkontakt zur Masse
Mit dem Öffenen der Unterbrecherkontakte durch den Nocken vor dem Oberen Totpunkt wird dieser Stromfluss unterbrochen.
Der Strom nimmt dann den "anstrengenderen" Weg über den Anschluss 4 der Zündspule und das Zündkabel zur Zündkerze und erzeugt dort mit hoher Spannung den Zündfunken. Der Kondensator dient dabei als Stabilisator für die Spannung.
Nachteil das Systems: Unterbrecherkontakte verschleißen; Zündung verstellt sich im Lauf der Zeit und muss regelmäßig kontrolliert werden.
Ist das alles so richtig?
Steini-Zündung:
Die Unterbrecherplatte mit den Unterbrecherkontakten wird entfernt und an ihrer Stelle das elektronische Steini-Bauteil eingesetzt. Die Zündverstellung erfolgt weiter durch den Fliehkraftregler.
Meine Fragen dazu:
Wenn jetzt der Impuls zur Zündung durch das Steini-Bauteil elektronisch erfolgt, wird doch gleichwohl der Stromstoß über die Zündspule zur Zündkerze erzeugt. Ist dieser Stromstoß dann stärker oder nicht? Wird der Kondensator weiter benötigt und wenn nein, warum nicht? Wodurch werden bei dieser elektronischen Zündung verbesserte Motorlaufeigenschaften erzielt?
Kennlinienzündung:
Mit dem Begriff kann ich zwar nicht viel anfangen. Aber in einerm vorangegangen Beitrag wurde über dieses Thema diskutiert und auch ein Anbieter benannt:
http://www.edknet.de/archiv_zweirad1.htm
Hierbei wird auch der Fliehkraftregler entfernt und die Zündverstellung mit einem modifizierten Fliehkraftregler elektronisch geregelt.
Welche zusätzlichen Vorteile/Verbesserungen bestehen gegenüber der Steini-Zündung.
Wodurch wird der geschilderte bessere Motorlauf (Motor laufe ruhiger, gehe beim Stand z.B an der Ampel nicht mehr aus....) erreicht?
Warum wird kein Kondensator mehr benötigt?
Wird der Strom weiter über die Zündspule zur Zündkerze "geschickt"?

Ich hoffe auf Erkenntnise und danke schon mal für Antworten!
Gerhard
Stephan
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von Stephan »

Hallo Gerhardt,

schau mal unter wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%BCndu ... gsmotor%29 - dort sind die verschiedenen Zündungssysteme erklärt. Vielleicht wird Dir hiermit einiges klarer.

Beim Heinkel haben wir eine Batteriezündung vorliegen. Liess zuerst dort nach.Der Kontakt verschleisst durch den entstehenden Materialabtrag/ übertrag am Kontakt. Ohne Kondensator gibt es keinen richtigenZündfunken.

Liess dann weiter unter Transistorzündung. Bei der Transistorzündung fliesst nur noch ein kleiner Steuerstrom über den Kontakt, der ursprünglich belastete mechanische Schaltkontakt wird durch einen Transistor ersetzt.
Der weiterhin vorhandene mechanische Kontakt verschleisst quasi nicht mehr, nur noch die Feder leiert irgendwann aus. Der Kondensator wird auch hier gebraucht.

Liess dann weiter unter vollelektronische Zündung.

Sehr gut wird das Kapitel Zündung und allgemein Motorradelektrik im "Kupferwurm" von Carl Hertwig beschrieben - ein Buch aus den 50ern. Das hat zwar noch die alten Normeinheiten ist aber sehr plastisch und lesenwert.

Bei der Transistorzündung ist da allerdings Schluss...
Wenn der Motor in Ordnung ist spricht nichts gegen eine Kontaktzündung (ausser dem Kontaktverschleiss und gelegentlicher Wartung /Austauschen des Kontakts). Wer viel fährt oder eine SIBA Anlage hat, für die es nur noch schwer Kontakte gibt, ist sicher mit einer Transitorzündanlge gut bedient (möglichst beim Einbau einen neuen Kontakt verwenden).
Eine vollelektronische Zündung ist mir zu weit weg vom Original und auch nicht (Heinkel-) zeitgemäss, die vollkommene Wartungsfreiheit erkauft man sich über Preis und evtl. Ausfall der Elektronik, einen runden Motorlauf bekommt man auch mit Kontalktzündung hin.

Grüße Stephan



Grüße
Stephan
GerhardM
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von GerhardM »

Danke für die Antwort mit den Hinweisen!

Kann ich den Schluss ziehen, dass mit den angebotenen elektronischen Zündungen der Zündfunke auch nicht besser (stärker) ist?
Der Zündungfunke wird auch bei den elektronischen Zündungen doch weiter mit der vorhandenen Zünspule erzeugt?
Warum wird bei diesen der Kondensator nicht mehr benötigt?

Das sind die Fragen, die ich nach Lesen der Verweise bei mir noch offen geblieben sind.
Danke und Gruß
Gerhard
Stephan
Beiträge: 134
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von Stephan »

Hallo Gerhard,

Zu der Frage nach dem Zündkondensator: dieser dient nicht zur Spannungsglättung (das tuen grosse Kondensatoren bei (Gleichstrom-) Netzteilen) - er dient bei Kontaktzündung (also auch bei transistorunterstützer Zündung) zur Vermeidung der Funkenbildung (und wie in dem obigen Wikipedia Artikel beschrieben auch zur Bildung eines Schwingkreises).

Bei vollektronischer Zündung ist auch der Unterbrecherkontakt ersetzt- durch einen wartungsfreien Hallgeber. Einen Zündkondensator zur (weitgehenden) Vermeidung des Funkens am Unterbrecher benötigt man daher nicht mehr, da kein Unterbrecher mehr vorhanden ist. Die optimierte Energieübertragung durch den Zündkondenator wird man hier wohl durch die Zündungselektronik auffangen.

Das Thema was besser /schlechter ist, kann man wie oft nicht einfach mit ja oder nein beantworten.
Eine elektronische Zündung kann sicher Vorteile bringen, ich bin aber der Meinung, dass sich diese für einen Heinkel Motor (in mechanisch ordentlichem Zustand) nicht wesentlich auswirken. Zudem ist diese nicht zeitgemäss.
Eine Transitorzündung mit Kontakt gab es auch schon in der Heinkelzeit...aber das soll jeder selbst entscheiden.
Eine Zündung mit Unterbrecher kannst Du im Fehlerfall einfach zurückbauen, notfalls auch unterwegs. Bei Hallgeber ist das nicht möglich.
Ich fahre seit jeher Jahren mit Unterbrecher (Bosch, die gibt es noch), mein Leerlauf ist super bei kleinen Drehzahlen. Du wirst aber auch Leute treffen, die von anderen Erfahrungen berichten.

Letztendlich sucht man meistens Vernunftsargumente für eine emotionale Entscheidung, was es aber auch nicht einfacherer macht. Argumente gibt es für alle Zündungsvarianten (Unterbrecherzündung: einfach, zu reparieren, Wartung notwendig; Transistorzündung mit Unterbrecher: weitgehend wartungsfrei, einfach ein- und wieder zurückzubauen, wäre aus meiner Sicht bei SIBA angebracht;Vollelektronische Zündung: keine mechanischen Verschleissteile, teuer, wird meist versprochen:etwas besserer Motorlauf, nicht einfach rückbaubar im Fehlerfall).

Und liess auch einmal hier nach:

http://www.bschimmer.de/HD/pdf/zuendung.pdf

Grüsse
Stephan
GerhardM
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von GerhardM »

Hallo Stephan,
ich bin wieder etwas schlauer geworden. Z.B. das mit dem Kondensator, dass er die Funkenbildung am Unterbrecherkontakt vermindert und nichts mit der Spannung in der Zündspule zu tun hat.
Aber wie so oft: Mit der Beantwortung einer Frage gibt es einen neue.
Hier ein Auszug aus dem Artikel zur Zündung:
"...Bei Fahrzeugen mit Anlasser und entsprechender Ansteuerung sind da schon mal Spulen mit 0,5 Ω oder auch weniger im Einsatz. Das können wir aber nicht machen. Bei
Kontaktzündung begrenzt man den Strom aus Gründen der Lebensdauer des Kontaktesauf 3A. Deshalb sind 5 Ω Spulen bei Kontaktzündung gebräuchlich. Bei elektronischen
Zündungen lässt man höhere Ströme zu, weil der Transistor diese Ströme schalten kann. ..."
Sehe ich es richtig, dass ich nach Einbau einer elektronischen Zündung auch eine andere Zündspule brauche, um den Vorteil der höheren Zündenergie auszunutzen?
Gruß
Gerhard
Stephan
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von Stephan »

Hallo Gerhard,

bei der angebotenen vollektronischen "Kennlinienzündung" (wobei das vereinfacht heisst der Zündzeitpunkt folgt einer Kurve ist also nicht statisch) bleibt meines Wissens die Zündspule erhalten. Die Zündenergie ist bei allen Zündungsarten mehr als ausreichend, solanage der Motor mechanisch in Ordnung ist. Die Zündenergie ist ggf. etwas optimaler -aber nicht zwangsläufig höher- da nicht mehr durch sich ändernde Parameter (Unterbrecherabstand, Schliesswinkel, Drehzahl) bestimmt.

Grüße
Stephan
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DER-SCHRAUBER
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von DER-SCHRAUBER »

Zündungen mit Unterbrecher und oder mechanischer Zündverstellung unterliegen zum eine dem Verschleiß und auch den Temperaturbedingungen (Trägheit). Daher können diese Systeme keine wirklich exakten Zündbedingungen gewährleisten. Durch einen Hallgeber ist schon mal der Verschleiß des Unterbrechers ausgeschlossen. (Auch gibt es keine wirklich guten neuen Unterbrecherkontakte mehr, so dass eine vorschriftsmäßige Einstellung nicht möglich ist.)
Da bleibt noch der Fliehkraftregler der die Zündung bei zunehmender Drehzahl gegen Früh verstellt. Auch hier ist Verschleiß aber vor allem aber ein Trägheitsmoment gegeben, so dass die Zündung immer etwas "Hinterher" hingt.
Bei der Kennlinien Zündung haben wir auch einen Hallgeber der die Drehzahl ermittelt. Zu jeder Drehzahl ist ein entsprechender Wert hinterlegt im sogenannten Kennfeld. Man hat also immer die "richtige" Zündung und das viel schneller (was z.B. beim Runterschalten hilfreich ist).
Der Zündfunke ist bei Kontaktlosen Zündungen schon deshalb stärker da die Zündspule mehr Zeit hat "aufgeladen" zu werden. Beim Unterbrecher ist hierfür der sogenannte Schliesswinkel zuständig. Dies ist die Zeit, in Wikelgraden, die der Unterbrecherkontakt geschlossen ist und in der die Zündspule Zeit hat aufgeladen zu werden.
Für mich spricht deshalb viel dafür eine Kenlinienzündung zu verbauen. Leider habe ich bisher noch keine gefunden die ich selbst programmieren kann. So könnte jeder Motor optimal abgestimmt werden...
Denn mit der bislang verkauften Kennlinienzündung werden nur die Werte des Mechanischen Zündverstellers nachempfunden.

Heutzutage weiß man aber, dass jeder Motor etwas anders ist daher haben wir in den Steuergeräten Kennfelder die weitere Faktoren wie Temperatur Luftdruck usw. berücksichtigen.
Soweit erstmal
Gruß Markus
GerhardM
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von GerhardM »

Danke für die ergänzenden Erläuterungen.
Hilfreich für mich war der Hinweis, dass bei den elektronischen Zündsystemen mehr Zeit für das Aufladen der Zündspule zur Verfügung steht (nicht nur die Zeit, in der die Kontakte geschlossen sind, also von Zündung zu Zündung) und damit ein stärkerer Zündfunke erzeugt wird.
Es bleibt aber auch bei den elektronischen Systemen dabei, dass beim unteren Totpunkt (ins Leere) gezündet wird, oder irre ich mich?
Gruß
Gerhard
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DER-SCHRAUBER
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von DER-SCHRAUBER »

Hallo Gerhard,

Du meinst sicher nicht Ut. Die Zündung bei der Normal Zündanlage findet 2 Mal in Ot statt. Einmal bei der Verdichtung und beim zweiten Mal beim "Austossen".
Habe leider noch keinen genauen Infos wie das bei der Angeboten Kennlinien Zündung ist. Hier im Forum ist einer der diese schon verbaut hat, vielleicht kann er zur Erhellung Beitragen. Vermute aber,dass auch hier zweimal gezündet wird, denn wie sollte der Geber da unterscheiden können???

Gruss Markus
GerhardM
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Re: Zündung Zündsysteme

Beitrag von GerhardM »

ja, natürlich beim OT!
Danke und Gruß
Gerhard
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