Gabelfeder

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@Astheim
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Re: Gabelfeder

Beitrag von @Astheim » 05.02.2017, 22:48

Klasse Beiträge
Danke
Andreas aus Astheim

Scoot-Bike
Beiträge: 24
Registriert: 14.07.2008, 13:03

Re: Gabelfeder

Beitrag von Scoot-Bike » 05.02.2017, 22:57

Moin,
entschuldigung.
Natürlich gibt es, neben der mangelhaften Ausdistanzierung der Radnabe, bei der Prüfung der nackten Gabel ( ohne Federn und Stoßdämpfer durch hin- und herschieben der Radnabe mit den Tauchrohre auf den Standrohren ) auch noch die Möglichkeit das die Gabel krumm, und deshalb die Freigängigkeit nicht gegeben ist.
Krumm kann heißen: Linkes oder rechtes oder beide Gabelstandrohre sind verbogen. Auch könnte die untere Gabelbrücke oder das Lenkrohr an der unteren Gabelbrücke verbogen sein. Die letzten beiden Möglichkeiten sind aber, aufgrund der massiven Ausführung der Bauteile beim Heinkel, sehr unwahrscheinlich. Mit einfachen Mitteln läßt sich die Parallelität der eingeschweißten Gabelstandrohre zu dem Lenkrohr nicht kontrollieren. Dafür benötigt man eine Messplatte, Prismen und ein Messuhrstativ, ggf. muß man das Lenkrohr aus der Gabelbrücke nehmen.
Anders sieht das bei den beiden verchromten Standrohren aus.
Hier kann man, mit relativ wenig Aufwand und mit Schraubers Hausmitteln, noch einiges kontrollieren. Dabei ist es egal ob eine Gabel mit dem Lenkrohr waagegerecht im Schraubstock eingespannt oder im Roller eingebaut ist. Im eingebauten Zustand sollte die Gabel gegen einen Lenkanschlag gezogen werden. z.B. mit einem Spanngurt an einer Lenkerseite nach hinten ziehen.
Ob ein einzelnes Standrohr krumm ist kann man durch anlegen eines Stahllineals recht schnell sehen.

!!!! Hausmittel !!!!
Habe ich kein Lineal, hilft der alte Grundsatz weiter: Ein Punkt ist ein Punkt.
Zwei Punkte miteinander verbinden und ich habe eine Gerade, eine Linie.

Ich nehme einen Zwirnsfaden und drücke den Faden mit dem Zeigefinger der einen Hand unterhalb der Gabelbrücke auf einen Punkt auf dem Standrohr. Nun kann ich mit der anderen Hand den Faden entlang des Standrohres auf einen Punkt am unteren Ende des Rohres spannen. Natürlich
muß der Faden auf der gleichen Höhe des Rohrumfangs gespannt werden, nicht umschlingen. ( Die Standard - Bezugslänge zwischen solchen Messpunkten beträgt 100 mm. Hier haben wir mehr. ) So wandere ich mit den Punkten und mit dem Faden um das Rohr. Der Faden sollte bei allen Umfangspositionen (oben - unten - links - rechts) am Rohr anliegen.
Sind beide Rohre kontrolliert und in Ordnung, so kann ich den Abstand der Standrohre unterhalb der Gabelbrücke und an deren unterem Ende per Meßschieber messen. Die Abstände sollten gleich sein. ( Das der Rohrdurchmesser oben unten gleich ist, ist klar. Oder ? )
Jetzt fehlt noch die mögliche Verschränkung der beiden Rohre zueinander.
Werkstätten nutzen dafür ein stabiles, ebenes ( Alu - ) Prüfprofil, das über die beiden Rohre gelegt wird und nicht kippeln darf.

!!!! Hausmittel !!!!
Drei Punkte miteinander verbinden und ich habe eine Fläche, eine Ebene.
Vier Punkte miteinander verbunden sind statisch nicht mehr eindeutig bestimmt

Was will ich damit sagen: Ein Biertisch mit drei Beinen kippelt nie. Einer mit vier Beinen fast immer ...... ausser er steht auf einer Ebene.
Legt die Werkstatt das Prüfprofil auf die Gabelrohre, so bilden sich im Normalfall zwei Berührungslinien die auf einer Ebene liegen. ( Zwei Linien - vier Punkte ). Sind die Rohre zueinander verschränkt, so liegt der vierte Punkt ausserhalb der Ebene und das Profil kippelt - die Gabel ist krumm.

!!!! Hausmittel !!!!

Keine Messplatte ? Kein Prüfprofil ? Kein Zwirnsfaden ? Keine Zeit ?

Zack in die Küche. Da ist das glatte und ebene Ceranfeld. Darauf steht der Edelstahltopf mit dem dicken Alu-Sandwichboden. Wer will kann noch schnell mit der Fühlerlehre spionieren ob der Topf wirklich rundherum aufliegt. Ran an den Roller. Den Topfboden auf die nackten Gabelrohre.
Kippelt er oder nicht? Wie stark darf er kippeln? Wie groß ist das Spiel in der Tauchrohre? Kann das Spiel den Verzug hinnehmen? Hätte ich die Aktion auch mit den Hartkunststofffrühstücksbrettchen machen können, die liegen doch auch so glatt auf dem Ceranfeld auf, und die Suppe wäre im Topf geblieben. Aber die Brettchen habe ich ja schon zum Auswuchten der Rollerräder im Keller.
OGOTTOGOTTOGOTT

Bis dann.

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heinkel-bernd
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Re: Gabelfeder

Beitrag von heinkel-bernd » 06.02.2017, 01:02

Nun nochmals meinen Senf dazu (ohne die Kochutensilien zweckzuentfremden :mrgreen:)

Zur Flucht des Lenkrohres zu den Gabelrohren hatte ich schon mal geschrieben:
http://www.heinkel-club.de/forum/viewto ... fen#p10136
Das kann der Otto-Normalschrauber nicht viel anders machen

Im gleichen Beitrag erwähnte ich die Methode mittels schmalem Bandmaßes mangels großem Messschiebers.
Hier noch ein Foto dazu:
Logischerweise bedeutet der Unterschied oben/unten am Umfang den halben Wert am Abstand der Rohre :wink:
Diese Gabel zeigt am Umfang (oben zu unten) einen Unterschied von max. 1 mm. Das sind auf die Länge von 24 cm
gerade mal 0,5 mm im Abstand ! Damit hätte ich aber noch keine Bedenken !
Gabelrohr-Abstand.JPG
Unt hier meine Licht-Methode zum Feststellen der Flucht an den Gabelrohren:
Gabelrohr-Flucht.JPG
Gabelrohr-Flucht.JPG (19.6 KiB) 2315 mal betrachtet
Vor einem hellen Hintergrund aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet eine relativ genaue Prüfung :idea:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

Scoot-Bike
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Re: Gabelfeder

Beitrag von Scoot-Bike » 09.02.2017, 21:55

Moin,
Zweckentfremdet ??? Der Zweck heiligt die Mittel !!!

Die Lichtspaltmethode ist schön. Kenn` ich von der Kontrolle mit dem Haarlineal. Da vergleicht man den zu prüfenden Körper mit der geraden Kante des Prüflineals. Ein Prüfen durch das vergleichen zweier zu prüfender Körper kenn ich nicht. Könnten ja beide gleich krumm sein, dann fluchten die beiden auch und ich sehe einen gleichmäßigen Lichtspalt. Trotzdem können sie beim Eintauchen in den geraden Tauchrohren klemmen.
Sehe ich das Bild mit dem Bandmaß ( Was eine gute Idee ist - ich würde natürlich das Maßband aus dem Nähkästchen nehmen ), sticht mir die Spannhülse zur Sicherung des Lenkkopfrohres in der Gabelbrücke ins Auge. Wenn Otto, der Normalverbraucher, das Lenkrohr entfernt und es dann
von unten wieder in die Bohrung der Gabelbrücke einsetzt, dann hat er alle Rohre die parallel laufen sollen zur Lichtspaltprüfung auf einer Seite
der Gabelbrücke. Hat er dann noch die Zwirnsfaden-Punktprüfung auch am Lenkrohr durchgeführt, dann kann er vor einem hellen Hintergrund, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, sehen ob die Rohre fluchten oder ob die Gabelbrücke verbogen ist und die Bohrungsmitteachse nicht parallel zu den Gabelrohren verläuft.
Hoffentlich ist alles OK.
Arbeiten an sicherheitsrelevanten Bereichen von Fahrzeugteilen wie Rahmen, Gabel oder auch Bremsen dürfen nur von Fachkundigen Personen durchgeführt werden.
Das Richtergebniss sollte mit einer Rissprüfung an den kritischen Stellen kontrolliert werden.
Bis dann.

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