Gekapselte Radlager hinten

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Teddy
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Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von Teddy » 05.01.2019, 17:31

Hallo liebe Heinkelfreunde!
Mein Netzname ist Teddy und Ich bin neu hier.
Nachdem vor 3 Jahren mein letztes Oldtimer Motorrad verkauft war, hatte ich geglaubt der Oldtimer Virus wäre besiegt. Aber irgendwie hatte ich Lust auf ein neues Projekt und so habe Ich im Dezember 2018 einen Tourist 103A1 von einem noch älteren Herrn in der Nähe gekauft. Er hatte den Roller vor 25 Jahren für sich restauriert und war seitdem 2500km gefahren. (Reifen wie neu aber 25 Jahre alt). Ich denke der Roller ist so Zustand 3, nicht so toll lackiert, aber er darf ruhig gebraucht aussehen, nur technisch sollte er OK sein. Nach einer Motorwartung habe ich mich erst um die sicherheitsrelevanten Sachen gekümmert. Alle Züge in Teflon und neue Reifen mit Schlauch bestellt und Vorder- und Hinterradbremse gescheckt.</t>
Die Bremsen waren OK aber die hinteren Radlager haben radiales Spiel. Jetzt endlich meine Frage: Wie in einem Forumsbeitrag vorgeschlagen, würde ich gerne gekapselte 2Z Lager verwenden. In der Ersatzteilliste vom Club wird aber nur ein 1Z Lager auf der Radseite, mit Hinweis auf die Heinkelinfo 3/91 Seite 31, empfohlen (die Info finde ich leider nicht). Wie sind eure Erfahrungen?
Vielen Dank!
Grüße aus OS Teddy

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Hans
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von Hans » 05.01.2019, 19:42

Hallo Teddy,
willkommen in der Heinkel-Gemeinschaft!

Wie hast du das Radialspiel festgestellt? Beide Achs-Enden (links ohne Rad und Bremstrommel, rechts mit geöffnetem Kettenkasten [Ritzel und Kette können wohl drauf bleiben!]) je mit einer Hand gefasst und Radialbewegungen versucht? Dann is' gut!
Hoffentlich jedoch nicht nur durch beidhändige "Kipp"-Bewegungen am Hinterrad! Dann solltest du unbedingt prüfen, ob die Kronenmutter auf der Bremstrommel vorschriftsmäßig mit 16mkp (ca. = 160 Nm) angezogen ist. Wenn nicht, kippelt die Bremstrommel auf der Vielzahnnabe der Hinterachse. Der Vielzahn (auf der Achse und/oder in der Bremmstrommel) selbst kann auch defekt sein, wenn häufig mit zu gering angezogener "Bremmstrommelmutter" gefahren wurde.

Um die Heinkelgemeinde kennenzulernen, bieten sich besonders die Heinkel-Touristik, das Jahrestreffen und das Loreley-Treffen an. Regionale Heinkelevents sind auch toll und etwas überschaubarer aber ebenso gut, um Freundschaften zu knüpfen und für's Networking.

heinkelige Grüße
Hans

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Werner
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von Werner » 05.01.2019, 20:04

Hallo und willkommen im Forum. Was die Hintersachlager angeht so würde ich für das innere Lager die offene Variante wählen weil ja eh Öl im Schwingarm ist und so das Lager immer geschmiert wird. Das äußere Lager würde ich als 1 RS Lager ( RS= Rubber Seal= Gummidichtung) verwenden und nicht 1 Z welche nur einen Blechdeckel haben. Nur einseitige Abdichtung damit von der Schwingarm Innenseite noch Öl ans Lager kommt und das Lager somit permanent vom Öl im Schwingarm geschmiert wird. Also das 1 RS Lager mit der GummidichtungsSeite zur Bremstrommel damit kein Öl am Lager nach aussen austritt. Generell dürfte deine Überlegung komplett verschlossene Lager zu verwenden aber auch funktionieren. Die Lager sind ja dauergeschmiert und dürften somit ebenfalls lange halten.

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Teddy
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von Teddy » 05.01.2019, 20:06

Hallo Hans, danke für die schnelle Antwort. Die Bremstrommel ist ab und das Kettenrad offen. Die Bremstrommel- Verzahnung ist okay auch in der Trommel. Ich habe bremsseitig an die Verzahnung der Achse gepackt und konnte so das Spiel feststellen. Auf der Kettenradseite war kein Spiel feststellbar. Ich will aber beide Lager wechseln. Deshalb die Frage 2 gekapselte 2Z Lager oder nur 1Z Lager auf der Bremsseite?

P.s. vom Loreley Treffen habe ich schon gehört! Da ich aus der Nähe von Osnabrück komme, muss Ich erst Mal sehen wie gut und zuverlässig der Heinkel wirklich läuft.
Grüße aus OS Teddy

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Teddy
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von Teddy » 05.01.2019, 20:08

Hallo Werner, super, dann ist das Thema ja schon erledigt!
Vielen Dank nochmal!
Grüße aus OS Teddy

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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von HPD71665 » 06.01.2019, 10:30

Hallo Teddy,
von der Konstruktionsseite aus hat Heinkel hier einen Ölkreislauf mit offen Lagern vorgesehen. Darauf weist die Ölrücklaufbohrung hin. Die Schutzscheiben an den geschlossenen Lagern sollen eher vor Staub und Schmutz schützen.

Dir würde ich auch den Tausch des Wellendichtrings empfehlen.
Gruß Peter

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heinkel-bernd
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von heinkel-bernd » 07.01.2019, 12:40

Servus Teddy,

da kann ich Peter nur zustimmen :wink:

Und noch ein paar Tipps von mir:
Oft sickert das Öl zwischen der kurzen Abstandhülse und der Hinterache nach außen :(
das verhindere ich, indem ich zwischen dem inneren Lagerring und der Distanzhülse einen O-Ring 18 x 1,5 mm
auf die Welle schiebe.
.
Hinterachse 103er      Tourist.jpg
Auch der Überstand der radseitigen Verzahnung zur Abstandhülse darf nicht zu groß sein, da sonst der Splint
auf der Kronenmutter nicht mehr optimal sitzt !
Dabei sollte überprüft werden, dass der Schwingendeckel (mit Dichtung) nicht am kettenseitigen Ende der Hinterachse anliegt !

Vor der Montage der Hinterachse sollte die Dichtfläche für den Radialdichtring auf der Distanzhülse mit Polierleinen
oder feinem Schleifvlies poliert werden (in Drehbank oder passendes Bohrfutter).

Die Kronenmutter am Kettenrad nur so fest anziehen, dass die Kurze Distanzhülse an den Lagerinnenring gepresst wird,
den Rest macht die radseitige Kronenmutter mit 160 Nm :wink:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

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Teddy
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von Teddy » 08.01.2019, 08:32

Danke noch mal für die letzten Tipps!
Es dauert noch etwas bis die Teile da sind, dann werde ich berichten.
Grüße aus OS Teddy

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velorex350
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von velorex350 » 08.01.2019, 18:31

Ich bin ja auch nur ein Heinkelfrischling und hab den Henning auch schon mit Fragen genervt (Danke!).
Wellendichtring, also Simmerring in jedem Fall wechseln. Das ist ein 3€ Artikel, der es nicht wert ist darüber nachzudenken an dieser Stelle zu sparen. Ich habe an der Stelle auch ein einseitig geschlossenes Lager verbaut. 1RS sind nicht so leicht zu bekommen, also ein 2RS kaufen und einen Dichtring vorsichtig entfernen. Die Seite mit Dichtring zur Bremse hin (Tipp von Henning)
Das mit dem Ölkreislauf sehe ich eher entspannt. Bei den meisten Mopeds kriegen die Lager nie frisches Schmiermittel. Die Schwinge ist zu, Dreck kommt nicht rein und Öl wird das Lager schon abbekommen wenn das Fett im Laufe der Zeit rausgewaschen ist.
Rot = nachträglich korrigiert auf Hinweis von Henning in Beitrag 10. Sorry, hab's im Kopf beim tippen durcheinandergebracht und natürlich RS eingebaut.
Zuletzt geändert von velorex350 am 09.01.2019, 13:18, insgesamt 7-mal geändert.
103A2 von 1964, mein erster Viertaktroller! Cezeta, Vespa, Velorex und Co haben blaue Fahnen
#9656
Um nicht umzufallen reichen drei Räder, drum gibt's den Velorex :lol:

HenningW
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Re: Gekapselte Radlager hinten

Beitrag von HenningW » 09.01.2019, 09:14

Hallo Hans,
nimm nicht 1Z, sondern 1RS. DIe 1Z-Lager sind nicht vollständig abgedichtet. Hier die Vorteile und Nachteile:
"Z"-Abdichtung Vorteile:
berührungslos
keine zusätzliche Reibung und Temperaturerhöhung
bis zur Drehzahlgrenze einsetzbar
gute Dichtwirkung gegenüber Fettaustritt
Nachteile:
begrenzte Dichtwirkung gegenüber Verschmutzung

"RS"-Abdichtung Vorteile:
hohe Dichtwirkung gegenüber Schmutz und Feuchtigkeit
NBR ist gegen eine Vielzahl aggressiver Medien beständig
Nachteile:
erhöhter Reibungswiderstand (was meiner Meinung nach am Endabtrieb des Heinkels nicht relevant ist!)

Oder kurz: RS-Abdichtung ist vollkommen dicht, Z-Abdichtung ist nicht komplett dicht.

Gruß Henning

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