Mein erster Tourist

Motor-Vergaser-Antrieb
Antworten
a-peschl
Beiträge: 5
Registriert: 29.01.2020, 01:36

Mein erster Tourist

Beitrag von a-peschl » 29.01.2020, 01:51

Hallo zusammen,

ich bin der Alex, 41 Jahre alt und komme aus Ravenstein. Ich habe mir vor zwei Tagen den Wunsch eines Touristen erfüllt. Erfahrung mit alten Maschinen habe ich durch meine DKW RT 250. Ich habe genau das gefunden, nach was ich gesucht habe: Einen Tourist aus erster Hand mit schöner Patina, gekauft von einem älteren Herrn, welcher ihn in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen nur noch etwas nach der Winterpause bewegt hat. Der Motor wurde nachweislich vor etwa 500km überholt (neuer Kolben, Kurbelwelle neu gelagert, Motor neu abgedichtet und weiteres - das Standardprogramm halt). Beim Kauf ist er auch ohne Probleme angesprungen, hat aber etwas gequalmt (alter Sprit, Vergaser viel zu fett eingestellt). Nun macht mir das gute Stück etwas Sorgen. Ich habe den Vergaser penibel gereinigt und auf Grundeinstellung gebracht. Wenn ich jetzt den Motor starte, geht er nach einigen Sekunden heftig mit der Drehzahl nach oben, so dass ich den Schlüssel ziehen muss. Mittlerweile habe ich den Vergaser dreimal gereinigt, aber er hat die Symptome auch mit einem anderen gebrauchten Vergaser (den habe ich mittlerweile auch schon zweimal gereinigt). Falschluft zieht er keine, Gaszug klemmt auch nicht. So langsam weiss ich keinen Rat mehr, denn zuvor lief er ja, aber ich gebe nicht auf...

Gundolf 5530
Beiträge: 514
Registriert: 15.12.2005, 17:00
Wohnort: Rodenbek bei Kiel

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von Gundolf 5530 » 29.01.2020, 09:27

Moin

Guck mal auf der Seite der Heinkelfreunde Hannover unter Tips...ganz unten......

Gruß Gundolf

Benutzeravatar
haile
Beiträge: 84
Registriert: 13.11.2015, 15:14
Wohnort: Weißenburg

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von haile » 29.01.2020, 10:38

hallo,
hast du schon mal geschaut, ob der schieber wirklich ganz runter geht?
drehe mal die standgas-(nicht die luft-) schraube ganz raus.
evtl schafft die schieberfeder es nicht, die nadel ganz runter zu drücken?
mfg & have a nice day
Matthias

a-peschl
Beiträge: 5
Registriert: 29.01.2020, 01:36

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von a-peschl » 29.01.2020, 13:36

Schwimmer ist dicht, Schwimmernadel passt auch. Schieber geht komplett zu. Die ersten paar Sekunden läuft er ja normal, das ist ja das merkwürdige.

juergstel-4143
Beiträge: 77
Registriert: 09.11.2016, 17:45
Wohnort: 53773 Hennef

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von juergstel-4143 » 29.01.2020, 17:57

Hallo!
Könnte es vielleicht sein, dass der Benzin-Hahn-Filter zugesetzt ist?
Ist vielleicht ein Leitungs-Zwischen-Filter installiert? Ist der vielleicht zu?
Wenn nicht genügend Kraftstoff zugeführt wird, gibt es manchmal so ein Phänomen, dass der Motor kurzfristig hohe Drehzahl
läuft und dann ausgeht. Wie sieht die Kerze aus? Weiss, hellbraun, braun oder Schwarz?

Viel Glück beim Suchen nach der Ursache. Es gibt immer eine Antwort!
MfG Jürgstel

juergstel-4143
Beiträge: 77
Registriert: 09.11.2016, 17:45
Wohnort: 53773 Hennef

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von juergstel-4143 » 29.01.2020, 18:15

Hallo nochmal!
Das Elementarste habe ich vielleicht vergessen: Die Tankbelüftung!
Ziehe doch mal den Kraftstoff-Schlauch vom Vergaser ab, und öffne dann den Bezinhahn. Kommt wirklich ausreichend Benzin an?
Manchmal sind es die einfachsten Sachen.
MfG Jürgstel

Benutzeravatar
heinkel-bernd
Beiträge: 2019
Registriert: 13.01.2011, 21:07
Wohnort: Nähe Bayreuth

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von heinkel-bernd » 29.01.2020, 22:30

Servus a_peschl,

da Du ja in der Heinkel-Szene noch recht NEU bist, konntest Du evtl. mit Gundolfs Tip
nichts anfangen :?
Gundolf 5530 hat geschrieben:
29.01.2020, 09:27
Guck mal auf der Seite der Heinkelfreunde Hannover unter Tips...ganz unten......
Diese Leute gehören einem von ca. 50 Regionalclubs an, die Du hier findest :
https://www.heinkel-club.de/t3/ml/club/ ... clubs.html
Hier klickst Du auf die Hannoveraner, dann auf "TIPPS" und scrollst ganz ganz
nach unten zu "Motor-Leerlauf".
Und wenn Du noch Zeit hast, solltest Du das "Überflogene" aber auch mal lesen,
ist sehr informativ und hilfreich :wink:

Ich bin mir auch fast sicher, dass entweder der Schwimmernadelsitz verdreckt oder
verrostet ist oder sich der Schwimmer zum "Taucher" verwandelt hat :(
Dieses Thema wurde aber hier swchon zur Genüge behandelt :
viewtopic.php?f=5&t=2274&p=13189&hilit= ... fen#p13181
Wichtig für Dich:
Zeigt das ursprünglich runde Gehäuse des Schwimmers schon leichte Ecken und es bilden sich hier
schon kleine Risse ist der Schwimmer nur noch Messing-Schrott :(
Stellst Du mit der "Heißwasser-Methode" jedoch fest, dass nur eine Naht undicht ist, kann der
Schwimmer nachgelötet werden :wink:

Eine vergessene Dichtung zwischen Beschleunigerpumpe und Mischkammereinsatz im Vergaser-
gehäuse zeigt aber auch solche Symptome wie in Deinem Fall.

Und noch etwas zur "Falschluft":
Auch die Dichtung zwischen Zylinderkopf und Ansaugkrümmer kann altern und sich "setzen",
auch Risse am Krümmer selbst wurden schon festgestellt :shock:
Wie führst Du Deinen "Falschlufttest" durch ?
juergstel-4143 hat geschrieben:
29.01.2020, 18:15
Ziehe doch mal den Kraftstoff-Schlauch vom Vergaser ab, und öffne dann den Bezinhahn. Kommt wirklich ausreichend Benzin an?
Und das muss ich dem guten Tip von juergstel-4143 noch anfügen:
Einmal mit geöffnetem Tankdeckel ca. 10 Sekunden reichen.
Dann Tankdeckel geschlossen !
Das Benzin ruhig ein paar Minuten laufen lassen ! Ein Unterdruck (verursacht durch fehlende
Belüftung) bis zum Zurückhalten des Kraftstoffs entsteht ja nich in ein paar Sekunden :wink:
Was steht denn auf der Innenseite des Tankdeckels ? "ohne Beluftung" hatte ich auch schon mal :x

Das folgende hat zwar nichts mit Deinem Motorproblem zu tun, wenn Du aber
schon mal dabei bist:
Wer sich auf die Angabe im Handbuch verlässt´, kann beim notgedrungenem Umschalten des
Benzinhahns auf Reserve eine böse Überraschung erleben :shock:
Nach dieser Angabe stehen beim Umschalten noch 1,8 l Reserve zur Verfügung womit man
nach ca. 50 km weit fahren kann.
Wer weiß aber, ob sein Benzinhahn noch das Original ist und man im Notfall noch 50 km
weit kommt ?
Bei dieser o.g. Gelegenheit kannst Du jetzt auch gleich die verlässliche Reservemenge
in Deinem Tank "auslitern":
Tankdeckel abnehmen.
Benzinhahn auf "AUF" stellen und Tank leer laufen lassen bis bei dieser Hahnstellung
nichts mehr läuft. (Ausreichendes Gefäß unterstellen :mrgreen: )
Einen Messbecher unter den Benzinschlauch stellen und den Hahn aud "Reserve" stellen.
Nimm der Messbecher die gesamte Menge nicht auf, Hahn zu, den Füllstand des Bechers notieren,
Becher entleeren und den Tank bei Reservestellung komplett leer laufen lassen. Diese Gesamtmenge
an ausgelaufenem Benzin zwische AUF und RES ergibt nun die zur Verfügung stehende Menge an
Kraftstoff, nachdem der Hahn auf RES gestellt wurde.
Wenn man weiß, dass der Motor im ungünstigen fall ca. 4 l / 100 km verbraucht, kann man leicht
ausrechnen, wie weit man mit dieser Benzinmenge noch fahren kann :wink:

Nachtrag:
Schwimmer ist dicht, Schwimmernadel passt auch.
Was macht der Vergaser wenn der Benzinhahn bei Motorstillstand mal längere Zeit offen bleibt ?
Mind. 10 Minuten ! Bleibt er äußerlich trocken oder tropft er (läuft über) ?
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

a-peschl
Beiträge: 5
Registriert: 29.01.2020, 01:36

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von a-peschl » 30.01.2020, 16:44

Ich kann es nicht fassen, er läuft einwandfrei: Der Vorbesitzer hatte ein ziemliches Durcheinander bei den Kabeln. Es ging ein Masseband von Batterie zu Motor, das war auf den ersten Blick das einzige. Jetzt habe ich noch eines vom Fuß des Reglers an den Motor gelegt (zum Masseband der Batterie), von dort aus weiter zum Rahmen. Kann es daran gelegen haben?

Benutzeravatar
heinkel-bernd
Beiträge: 2019
Registriert: 13.01.2011, 21:07
Wohnort: Nähe Bayreuth

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von heinkel-bernd » 30.01.2020, 22:49

Servus a-peschl,

ob es daran lag kann ich nicht beurteilen :?
Unverzichtbar ist jedoch diese 1,5er Masseleitung beim gummigelagerten Motor !
Ist auch im Schaltplan eingezeichnet.
Wenn man den Stromverlauf betrachtet, führt die dicke Masseleitung von der Batterie
direkt zum Motor, um beim Betätigen des Anlassers dem Strom möglichst wenig Widerstand
bieten :idea:
Woher bezieht aber die restliche Bordelektrik ( Regler, Beleuchtung, Kondensator, usw.) ihre Masse,
wenn der Motor durch die Gummilagerung elektrisch vom Rahmen/Karosserie getrennt ist ?
Auf eine sichere elektrische Verbindung über die Bowdenzüge kann man sich nicht verlassen
und das wird auch nie richtig funktionieren :(
Deshalb ist diese dünne Masseleitung (Kurbelgehäuse - Rahmen) unbedingt erforderlich !!!!!

Wie geschrieben, nur beim gummigelagerten Motor nötig.
a-peschl hat geschrieben:
30.01.2020, 16:44
Jetzt habe ich noch eines vom Fuß des Reglers an den Motor gelegt (zum Masseband der Batterie), von dort aus weiter zum Rahmen. Kann es daran gelegen haben?
Grün ist O.K. (I.d.R. führt diese Masseleitung vom Reglerfuß nach rechts zur oberen M6er Mutter der LIMA-Abdeckung)
Rot ist überflüssig da der Reglerfuß ja mit dem Rahmen metallisch verbunden ist (doppelt gemoppelt) :wink:

Bei der Befestigung des Reglers und des Kondensators ist (besonders bei pulverbeschichteten Rahmen)
darauf zu achten, dass die Kontaktflächen auch metallisch blank sind !
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

a-peschl
Beiträge: 5
Registriert: 29.01.2020, 01:36

Re: Mein erster Tourist

Beitrag von a-peschl » 31.01.2020, 00:15

Vielen herzlichen Dank für die Tipps und Infos!

Antworten