Kupplungsproblem

Motor-Vergaser-Antrieb
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heinkel-bernd
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von heinkel-bernd » 07.09.2020, 00:40

Richtig Martin !

Und das schrieb ich am 28.09. schon:
Auch gefällt mir die Kante am Kolbenboden nicht oder das Foto täuscht so sehr
Das kommt davon, wenn man Teile verwendet, die man vorher nicht geprüft/vermessen hat :(
Die Tauschzylinder (Altteile) werden zur Schleiferei gebracht, geschliffen und wieder verkauft.
Da kann es leicht passieren, dass man einen bekommt, an dem der Vorbesitzer von der Höhe schon
gewaltig abschleifen ließ :shock:

Die Kolben-Oberkante am O.T. muss im entgültig positionierten Zylinder einen gewissen "Unterstand"
zur Dichtfläche des Kopfes aufweisen !
Hier war sogar das Gegenteil (Überstand !) der Fall :cry:
Der Motor muss ja ein Wahnsinns Verdichtungsverhältnis gehabt haben :shock:

Der Kopf ist aber noch zu gebrauchen, wenn der Grat vorsichtig entfernt wird

Da werde ich halt doch demnächst meine Methode zum Auslitern des Verdichtungsraumes und Feststellen
des Dichtungsverhältnisses bekannt geben müssen :wink:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

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zellingwolf
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von zellingwolf » 07.09.2020, 06:17

Danke für die Antworten, das ist noch vom Vorbesitzer, ich habe da selber noch gar nichts gewechselt. Na ja wird mir nichts anderes überbleiben, als denn Motor aufzumachen.

Scoot-Bike
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von Scoot-Bike » 08.09.2020, 11:22

Moin.
Die Entscheidung, den Motor zu öffnen,ist gefallen.
Bezogen auf das Schadensbild ( der Kolben hat am Kopf angeschlagen ( kann bei zu geringem Spaltmaß und der KW-Durchbiegung bei hohen Drehzahlen passieren / ggf. aber auch durch ein verschließenes KW - Seitenlager ) bedeutet dies, den Einbau einer neuen/überholten KW nebst Seitenlager.
Das Anschlagen am Zylinderkopf hat dann sowohl das Pleul verbogen, als auch Pleullager und die Seitenlager geschädigt.
Kolben, Zylinder und Zylinderkopf müssen überprüft werden und sind ggf.( mit entsprechender Nacharbeit ) noch zu verwenden.
Die Bilder zum Kerzengesicht und in den Brennraum zeigen eine gute gute Verbrennung, das Tragbild am Kolbenhemd ist in Ordnung. Im Zylinder sieht man noch die Honspuren. Die Laufleistung nach dessen Montage scheint noch nicht hoch zu sein.
Wenn dann der Motor einmal zerlegt ist, fallen natürlich alle Bauteilüberpüfungen, ggf. Erneuerungen an. ( Dynastartanl., Getriebe, Kupplung,
Schwingenlagerung ... an. Entsprechend Radialdichtringe, O-Ringe, Dichtungen.
Entscheidet man sich für die Kopfdichtung mit Kupfereinfassung, so ist man festgelegt auf diese Bauform.
Das Kupfer presst sich in den Zylinderkopf. Ein Abschleifen ( Planschleifen ) ist nicht oft möglich und eigentlich auch bei der wiederkehrenden Verwendung dieser Bauform nicht nötig. Das Kupfer, wenn es nicht bewusst vorgepresst, und dadurch verhärtet ist, wird, passt sich der jeweiligen Oberfläche an. Beim Planschleifen wird der Abstand zum Ventilsitz immer geringer und damit auch die Umfangspannung die den Ventilsitz im Kopf hält.
Bei der Montage der Kolbenbolzen-Sicherungsringe ist zu beachten, das die Laschen parallel zur Bewegungsachse des Kolben stehen, also vereinfacht geschrieben, senkrecht. Durch die Massen-Trägheitskräfte der Laschen heben diese, bei hohen Drehzahlen, in den Umkehrpunkten den Sicherungsring aus seiner Nute. Beim setzen wirft der Ring dann so nach und nach einen Grat auf.
Bis dann

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heinkel-bernd
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von heinkel-bernd » 08.09.2020, 13:10

Servus Scoot-Bike,

gefällt mir :D , Deine nüchterne und professionelle Betrachtungsweise !

Zwei Sachen hätte ich jedoch noch:
Bei der Montage der Kolbenbolzen-Sicherungsringe ist zu beachten, das die Laschen parallel zur Bewegungsachse des Kolben stehen, also vereinfacht geschrieben, senkrecht. Durch die Massen-Trägheitskräfte der Laschen heben diese, bei hohen Drehzahlen, in den Umkehrpunkten den Sicherungsring aus seiner Nute.

Ist nicht ganz einfach zu verstehen :? Ein Foto dazu würde alle Zweifel beseitigen :wink:
Beim setzen wirft der Ring dann so nach und nach einen Grat auf.
Tut er das in jedem Fall oder nur wenn der Ring "falsch" eingebaut ist ?

Mach`s gut und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

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ILO-Dienst
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von ILO-Dienst » 08.09.2020, 13:23

Er meint damit, dass Kolbenbolzensicherungsringe nicht wie ein "C" eingebaut werden dürfen sondern nur um 90 ° verdreht. Also so, daß die Öffnung nach oben oder unten zeigt.

Dadurch können sich die "Laschen" der Kolbenbolzensicherungsringe nicht bewegen und dadurch auch nicht in den Kolben einarbeiten womit Deine zweite Frage beantwortet ist.

tpritscher
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von tpritscher » 09.09.2020, 14:00

Also wie ein "u" oder "n" :D

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ILO-Dienst
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von ILO-Dienst » 09.09.2020, 14:02

@tpritscher: super, ganz genau so!

Scoot-Bike
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von Scoot-Bike » 11.09.2020, 13:23

Moin.
An Zellingwolf.
Zur Dynastartrotor demontage:
Nach dem lösen und entnehmen der Halteschraube nebst dicker Anpressscheibe solltest du die Halteschraube wieder
in den KW - Stupf drehen. Je nach Abzieher besteht sonst die Gefahr die Zentrierung im Kurbelwellenstumpf zu beschädigen.
Einige KW-Werkstätten legen( zum Ausrichten der KW-Wangen ) die Welle in Prismen, andere setzen die Welle zwischen Spitzen.
Sind die Zentrierungen beschädigt wird die Spitze aus der Mitte gesetzt und der Rundlauf ist dort nicht möglich. Sehr aufwändiges Nacharbeiten
der Zentrierung in Prismen ist dann notwendig. Das gleiche gilt beim Abziehen des rechten KW-Seitenlager. Auch dann muss die Zentrierung
geschützt werden.
Kann man die Kurbelwelle mit rechtem Seitenlager ( ohne das Gehäuse zu wärmen ) aus dem Gehäuse nehmen, so ist die Passung im Gehäuse
nicht mehr in Ordnung.
Der Heinkelmotor sollte, damit der Aussenring des rechte KW-Lager als Loslager im Alugehäuse wandern kann, gut Warm gefahren werden. Es dauert lange bis das dieser Gehäusebereich Wärme bekommt. Sitz der Aussenring noch Kaltfest und die KW drückt über den Innenring axial nach Aussen, so schleifen die Wälzkörper am Käfig, schleifen diesen dünn oder sogar durch und verschleissen an den Laufbahnseiten.
Zur Kupplungsseite:
Um eine gute Schaltbarkeit zu ereichen, sollte unter anderem das Axialspiel der Schaltwalze, bevor die beiden Gehäusehälften getrennt werden,
per Messuhr ermittelt werde. Auch hier, wie beim Schaltsegment, sind 0,2 mm angesagt. Bei der Remontage sind dann ggf. Distanzscheiben auf die gesetzte Schaltwelle zu legen. ( Hinweis: beim Wechsel der Schaltwalze, es gibt unterschiedliche Schaltwalzen / Anlagelängen beachten ).
Die Kurven in der Schaltwalze schieben die Schaltgabeln und damit die Zahnräder hin und her. Ein großes Axialspiel führt dazu, das die Zahnradklauen
nicht gut ineinander greifen. Das die Kanten an den Klauen nicht Rund sein dürfen ist klar.
Bis dann.

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ILO-Dienst
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von ILO-Dienst » 11.09.2020, 14:49

Das was Scootbike schreibt ist alles ganz normaler Standard bei der Motoreninstandsetzung und sollte eigentlich jedem völlig klar sein, der sowas macht.

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zellingwolf
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Re: Kupplungsproblem

Beitrag von zellingwolf » 12.09.2020, 06:29

Super Danke für die Antworten und Ratschläge, werde im Winter mit der Motorinstandsetzung beginnen, wird eine Vollinstandsetzung. Was die Kurbelwelle betrifft, werde ich mir eine instand gesetzte vom Club besorgen.
Werde sichern noch einige Fragen haben. Habe Gottseidank einen Zweiradschrauber an meiner Seite, der schon an allem geschraubt hat was einen Motor und zwei Räder hat und das schon eine Ewigkeit lang.

Schöne Heinkel Grüße aus Österreich 🇦🇹

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