0 - Kompression

Motor-Vergaser-Antrieb
MiGo
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0 - Kompression

Beitrag von MiGo »

Hallo zusammen, der Motor eines Freundes ist überholt, hat seitdem 500 km gelaufen und ist nach der Winterpause nicht mehr angesprungen.

Kompression 2 bar.Lief bis zur Pause aber tadellos! Mit dem Endoskop habe ich mir die Zylinderlaufbahn angesehen und leichte Fressspuren in Fahrtrichtung entdeckt. An der Kipphebelbefestigung fehlte eine Mutter. Lag auch nicht unten drin also im Gehäuse.
Können diese minimalen Fressspuren dafür zuständig sein oder hat die Mutter evtl. an der Kurbelwelle irgendetwas angerichtet? Es sind auch keine mechanischen Geräusche da. Gibt es evtl. beim Club - Kopf ein Problem, bzw. wie kann man dieses evtl. orten ohne alles wieder zu demontieren?
Danke, schon einmal an Heinkel - Bernd :)
Stephan
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von Stephan »

Hallo,
dass nur 2 Bar Kompressionsdruck vorhanden sind, wenn der Motor vorher gelaufen hat ist sehr merkwürdig.An der fehlenden Mutter kann es kaum liegen. Du solltest zuerst den Zylinderkopf nachziehen (ist nach 300 bis 500km fällig).Der wird sich gesetzt haben und dabei überprüfen, ob die Dichtung durchblässt.
Die Mutter und dann wohl auch die dazugehörige Unterlag-und Federscheibe kannst du mir einen Magnetheber durch den Stösselstangenkanal suchen.Hoffentlich hast Du keine Edelstahlteile verwendet ;-). Oft findet sich eine Mutter aber auch beim Ölwechsel wieder. Der wäre nach einer Motorüberholung jetzt auch fällig.
Berichte mal, was es war.
Grüsse Stephan
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BerndSt
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von BerndSt »

Hallo (a)MiGo,

Fress- oder auch Klemmspuren nach einer vollständigen Überholung können schon mal vorkommen. Vor allem, wenn z.B. ein GPM-Kolben verwendet wurde, der vorher nicht ordentlich getempert wurde ("gebranntes-Kind-Modus EIN": man nennt den GPM nicht umsonst auch den "Hefekolben"... :( "gebranntes-Kind-Modus" AUS). Oder auch, wenn Kolben und Zylinder nicht aufeinander passend geschliffen wurden. Oder wenn auf Einfahren der neuen Teile verzichtet wurde. Oder, oder, oder...

Wie auch immer - oft ist ein kleiner Klemmer ein Schaden, mit dem man auch leben kann; das kann man nicht allgemeingültig sagen. "Gut ist das nicht, kann aber trotzdem manchmal so bleiben" wirst Du vermutlich von den Spezialisten zu hören bekommen. Ohne das aber genau begutachtet zu haben, bleibt es ein Ratespiel.

Ich würde den Kopf und den Zylinder auf jeden Fall noch einmal abnehmen, um den Schaden genau prüfen zu können. Es kann nämlich auch sein, dass sich (im Zuge des Klemmers/Fressers oder auch unabhängig davon) ein Kolbenring verabschiedet hat. Das darf dann natürlich auf keinen Fall so bleiben.

Kleiner Nebeneffekt der Demontage: bei abgenommenem Zylinder kommst Du auch besser mit einem Magneten in den Innenraum.

Wäre es mein Motor, würde ich zuerst mal das Öl ablassen - vielleicht findet sich die Mutter dann schon. Dann würde ich sorgfältig mit einem Magneten nach der Mutter suchen. Schließlich könnte man noch den Motor aus dem Rahmen nehmen und ihn dann auf den Kopf stellen (und hoffen, dass die Mutter bei dieser Aktion herausfällt - dabei unbedingt darauf achten, dass die Stehbolzen und/oder der Kolben nicht beschädigt werden).

Was auch sein könnte: hast Du denn geprüft, ob das Ventilspiel noch stimmt? Es ist möglich, dass sich das Ventilspiel verstellt hat (wenn schon die Kipphebelbefestigung nicht ordentlich gemacht wurde, kann es durchaus auch sein, dass bei die Kontermuttern bei der Ventileinstellung nicht korrekt angezogen wurden). Das könnte sich auch negativ auf die Kompression auswirken.

Also zusammenfassend mein Rat: Laut fluchen, tief durchatmen, eine Nacht drüber schlafen, in einen sauren Apfel beißen und wenigstens Kopf und Zylinder zur Diagnose abnehmen. Fotos des Schadens kannst Du dann auch hier ins Forum stellen - dann bekommst Du sicherlich ein paar gute Einschätzungen zur Schadenhöhe und zu geeigneten nächsten Schritten. Und natürlich die Aktion mit dem Magneten (aber nicht auch noch den Magneten im Kurbeltrieb verlieren). :roll:

Ob Du dann noch den nächsten Schritt gehen magst und die Mutter um jeden Preis bergen möchtest, überlasse ich Dir. Ich würde nicht mit einer Mutter irgendwo im Kurbeltrieb herumfahren wollen - aber das musst Du bzw. Dein Kumpel selbst entscheiden (da muss jeder wissen, wie risikofreudig er ist - kann gut gehen, kann schief gehen).

Viel Erfolg,
Bernd
SNAFU!
MiGo
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von MiGo »

Ich werde berichten! Danke, für die Tipps, nehme alles wieder auseinander.
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Bernd Hünten
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von Bernd Hünten »

Hallo MiGo1
Hast du die Zylinderkopfschrauben nach ca. 300 km nachgezogen?? Wenn nicht, passiert es leicht, dass die Kopfdichtung an der Stelle zum Stößelkanal durchbläst. Kontrolle: Öldeckelverschluss öffnen und Motor starten. Man hört sofort, wenn die Dichtung durch ist!
Die heutigen Kolben neigen zum Klemmen, wenn die Einbaumaße nicht stimmen. Das Spiel sollte mindestens 7/100 betragen, früher war es weniger. Auch mein Kolben hatte leicht geklemmt. Der Zylinder wurde vom Fachmann gehont und der Kolben an den Klemmspuren leicht (gaaanz leicht) aufgeraut. Läuft seit 35 000 km einwandfrei.
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)
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heinkel-bernd
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus MiGo,

sehr aufschlussreich wäre eine Druckverlust-Prüfung am Brennraum :wink:
viewtopic.php?f=1&t=2795&hilit=Druckverlust#p16483
Wenn Du keine Möglichkeit besitzt, so einen Adapter zu fertigen, geht es evtl. auch mit einer
kleinen Gummihülse vor der Druckluftpistole und weniger Druck.
Und bevor Du den Zylinderkopf demontierst müssen eh die Kipphebel abgenommen werden;
Die Ventile sind geschlossen und Du musst die Kurbelwelle nicht festsetzen.
Du kannst dann diese Prüfung bei Kolbenstellung U.T. durchführen.

Ich hatte vor Kurzem enormen Druckverlust an beiden Ventilen nachdem der Motor auch längere
Zeit gestanden hatte.
"Durch Faulheit entstanden viele Erfindungen" dachte ich mir und versetzte mit einem kleinen
Gummihammer beiden Ventilen ein paar leichte Klopfer auf das Schaftende.
(Ventilfedern unter Spannung und Druckluft im Brennraum)
Mit jedem Klopfer wurde der Druckverlust geringer, bis die Ventile wieder vollständig schlossen.
Der Kompressionstest ergab danach auch wieder einen Wert von etwas über 9 bar :wink:
Die Ursache waren vermutlich kleine Rost- oder Ölkohle-Partikel die sich zwischen die den
Ventildichtflächen festgesetzt hatten.


Wenn das nichts hilft, solltest Du die guten Tipps von Stephan, Bernd Hünten und BerndSt beherzigen :D
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
MiGo
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von MiGo »

Danke für die Hinweise, habe gestern mit einem weiteren Heinkelfreund des Vertrauens alles zerlegt, da ist nichts aber auch garnichts an Fehlern. Selbst die mit Endoskop erkannten Fressspuren waren minimalst.
Der Kopf top, alles schliesst perfekt, Kolbenringe etc. ja neu halt so nach 500km Laufleistung. Was passiert nun: Habe alles als Tauschgut an den Club geschickt, wird wieder Geld in die Hand genommen und mit anderen noch neueren Teilen auf Besserung gehofft.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich die Steuerzeiten verstellen können...von der Winterruhe. Geht das denn, dass der Kolben z. B. unten ist, und die Ventile in der höchsten Verdichtung geschlossen sind? Geht das überhaupt beim Heinkel?
LG Michael
Stephan
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von Stephan »

Hallo,
warum schickst du alles weg zum überholen, wenn der Satz und Zylinderkopf erst 500km gelaufen haben ?
Sinnvoller wäre, wie in der Montageanleitung beschrieben, Benzin in die Kanäle von Zylinderkopf zu füllen, um zu sehen, ob der Kopf dicht ist. Wenn der Kolben und Zylinder gut aussehen und ein nachmessen das normale Laufspiel ergeben, liegt es auch nicht daran.
Die Teile zum überholen geben, wird dich nur (voraussichtlich: unnötiges) Geld kosten...
Mein Vorschlag, messen, Dichtheitsprobe, zusammenbauen und erneuter Kompressionstest...
Grüsse
Stephan
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BerndSt
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von BerndSt »

Hallo Michael,

den ganzen Krempel auszutauschen, obwohl keine Schäden erkennbar sind, halte ich schon auch für eine ziemlich extreme Maßnahme - aber egal, ist ja Dein Geld (bzw. das von Deinem Kumpel). :wink:

Aber eins interessiert mich schon brennend: hast Du denn die Mutter wiedergefunden?

Neugierige Grüße,
Bernd
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: 0 - Kompression

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus MiGo,
MiGo hat geschrieben: 22.05.2019, 15:00 Geht das denn, dass der Kolben z. B. unten ist, und die Ventile in der höchsten Verdichtung geschlossen sind? Geht das überhaupt beim Heinkel?
Die Frage, so wie sie formuliert ist, verstehe ich nicht :?
Wenn das Frischgas (am höchsten) verdichtet ist, sind die Ventile natürlich geschlossen aber der Kolben ist nicht "unten"
sondern kurz vor seinem O.T. (Oberer Totpunkt), wenn das komprimierte Frischgas gezündet wird.
https://www.geogebra.org/m/T3VzDmkD
Ein Verstellen der Steuerzeiten ist ohne Teilen des Kurbelgehäuses nicht möglich !
Es sei denn, es liegt ein kapitaler Schaden an den Steuerrädern vor :(

Mit einer Druckverlustprüfung, so wie ich sie oben angeraten habe, hättest Du warscheinlich die Ursache gefunden.
Jetzt, wo Du wieder alles zerlegt hast, bleibt wieder nur grosses Rätselraten :x
Vielleicht war ja auch das die Ursache:
viewtopic.php?f=1&t=3079&p=18217&hilit= ... nge#p18217
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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