Kompression 50 Jahre Standzeit

Motor-Vergaser-Antrieb
phenomeno
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Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von phenomeno » 20.02.2018, 22:11

Hallo Zusammen,

ich habe mir einen 103 A2 gekauft, der seit 1967 abgemeldet ist und laut Tacho ca 24000km auf der Uhr hat. Laut Tacho!. Zu Hause angekommen, habe ich das ÖL gewechselt und frisches Benzin(mit Bleizusatz) verwendet. Siehe da....der A2 sprang an und lief auch.
Bevor ich den A2 komplett zerlegt habe, habe ich den Motor warmlaufen lassen(15 min) und die Kompression gemessen.
Gerade so messe ich die mindestens geforderten 9 bar. (mit dem manuellen Kompressionstester von Louis).

Frage: Was ist eure Meinung? Soll ich den Kolben tauschen oder drin lassen? Mir würde es gefallen den originalen Heinkel Kolben mit Bleizusatz weiterhin zu fahren. Aber jetzt ist der Motor wegen der Restauration eh schon draußen......?

2. Frage: Nachdem ich heute den Hitzeschutz vom Motor abgenommen habe, ist mir folgendes aufgefallen: Die Zylinderkopfschrauben sind mit einer Art weißer Schraubensicherung versehen. Aber richtig dick auf dem Kopf runterlaufen lassen. Auch erkenne ich das die eigentliche Zylinderkopfdichtung weißlich ist.
Hört sich das nach Original Heinkel an, oder ist der Kopf schonmal geöffnet gewesen?


Danke
Denny

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Werner
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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von Werner » 20.02.2018, 22:33

Hallo. Wenn er läuft und auch nicht leckt lass ihn so wie er ist. Never change a winning team hat mal ein Englischer Fußball Trainer gesagt. Ich glaube du machst dir Sorgen das der Motor schaden nimmt wenn du modernes Benzin fährst aber dem ist nicht so. Gebe noch ein Schnapsglas voll Zweitaktöl in den Tank und wenn es dich beruhigt noch Bleizusatz dann ist das schon OK. Problematisch ist häufig die Kupplung weil sie meist nach so langer Standzeit verklebt und nicht mehr trennt. Ich würde zunächst nur Ventile und Zündung einstellen und dann mal fahren.

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heinkel-bernd
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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von heinkel-bernd » 21.02.2018, 17:28

Servus Denny,
ich schon wieder !

Werner hat Dir ja schon mal ein paar gute Tipps gegeben :wink:
Ich hätte jedoch zu Deinem Motor noch eine Frage und ein paar Anmerkungen zu machen:
Bevor Du den Kompressionstest durchgeführt hast, wurde zuvor durch das Kerzenloch etwas Öl zum Schmieren
des (sehr lange gestandenen) Kolbens eingebracht ?
Ich frage aus folgendem Grund:
I.d.R. wird die Kompression bei warmen Kolben und Zylinder und "trockenen" Kolbenringen gemessen.
Öl an den Verdichtungsringen wird das Messergebnis immer stark in die Höhe treiben und das verwendet man
beim Kompressionstest nur, um bei schwacher Kompression die Kolbenringe als Ursache zu erkennen !

Ich würde auch den Motor mit frischem Öl erst einmal fahren, ohne eine großartige und kostspielige "Tauschorgie"
zu veranstalten.
Das einzige, was ich machen würde:
- Den kompletten Motor außen reinigen um nach einer ausgibigen Fahrt vorhandene Öl-Leckagen besser zu erkennen.
- Die Luftleitbleche (damit meinst Du vielleicht den Hitzeschutz) abnehmen und die Kühlrippen des Motors von Dreck und Öl befreien.
- Die Kopfmuttern von dem Geschmiere befreien. Alle vier so weit lösen, dass der Kopf und die _Dichtung noch etwas auf Spannung
sind. Nacheinander die Muttern und Weicheisenscheiben abnehmen, reinigen und mit Dichtmittel (an der richtigen Stelle) wieder
aufschrauben. Danach den Kopf mit gesteigertem Drehmoment gleichmäßig über Kreuz wieder anziehen.

Dein Zyl.-Kopf wird ähnlich aussehen :?
Zylinderkopfschrauben Spezialabdichtung.JPG

- Die Kohlen der LIMA kontrollieren, damit Du nicht den Anker ruinierst, wenn diese schon am Ende sind .
- Der ersten Tankfüllung eine Dosis Ventil-Reiniger zugeben, damit evtl. Verkokungen und Oxidation im Brennraum und an
den Ventilen aufgelöst werden.

Jetzt noch viel Vergnügen mit Deinem Terroristen :D
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

phenomeno
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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von phenomeno » 21.02.2018, 22:27

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für die nützlichen Tipps.
Ich werde meinen Terroristen erst einmal zulassen und fahren.

Zu deiner Frage heinkel-bernd. Der Verkäufer versicherte mir damals am Telefon das der Motor laufen würde. Bei der Vorführung ist er leider nicht angesprungen, drehte jedoch. Aufgrund meiner wenigen Erfahrung mit Motoren die 50 Jahr gestanden haben, habe ich nur das Öl gewechselt und frisches Benzin dem Motor zugeführt. Neue Zündkerze und dann habe ich den Roller angeworfen. Hätte ich ihr besser Öl in das Zündkerzenloch kippen sollen?

Was denkt ihr, ist diese weißen Schraubensicherung noch original Heinkel? Ich werde morgen vormittag mal ein Foto ohne Ventildeckel schicken.
Damit ich die Kohlen der Lima kontrollieren kann muss ich sicherlich die komplette Lima ausbauen, richtig? Ich hatte mir zum glück vor kurzem einen Doppelabzieher besorgt.

Danke für die nützlichen Tipps.

Hier mal ein Bild von meiner Heinkel Garage...: Links unten seht ihr den restaurierten 103 A1 und auf der Bühne mein 103 A2
Werkstatt.jpg

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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von heinkel-bernd » 22.02.2018, 00:46

Servus Denny,
phenomeno hat geschrieben:
21.02.2018, 22:27
Hätte ich ihr besser Öl in das Zündkerzenloch kippen sollen?
Ein paar Tropfen hätten sicher nicht geschadet aber jetzt machst Du es ja lt. Werners Tip mit dem 2-Taktöl :wink:
phenomeno hat geschrieben:
21.02.2018, 22:27
Damit ich die Kohlen der Lima kontrollieren kann muss ich sicherlich die komplette Lima ausbauen, richtig?
Richtig !

Gute Nacht und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

phenomeno
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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von phenomeno » 22.02.2018, 22:14

Servus,

super danke auch hier Danke für die Tipps.

Hier mal ein Foto mit abgenommenen Ventildeckel. die Schraubensicherung auf den Stehbolzen ist doch nicht original, oder?
Motor.jpg
Gruß
Denny

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Hans
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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von Hans » 23.02.2018, 11:04

Hi,
Gewinde/Mutter der Stehbolzen dichte ich immer so gegen durchsickerndes Motoröl mit Schraubensicherungslack ab. Dazu sind Gewinde und Mutter vorab penibel mit Aceton/Waschbenzin zu entfetten!
Wenn nach 500km die Muttern nachgezogen sind, muss eine neue zusätzliche Lackschicht aufgetragen werden - dazu wieder vorher penibel entfetten/entölen. Diesmal kein Aceton nehme. Das löst den Lack an!.
Ich montiere auch jedesmal den Ventilgehäusedeckel erst 24 Stunden später, damit der Lack wirklich trocken ist, wenn er zum ersten Mal öldicht sein muss.
Dieses Vorgehen hat sich bei meinem Roller gut zum Zylinderkopf Stehbolzen Abdichten bewährt. Zuletzt hat es 30 000 km gehalten, bis ich aus einem anderen Grund den Zylinderkopf abnehmen musste.
@Bernd:
Die Abdichtung der Muttern auf den Stehbolzen, wie sie dein Bild zeigt, ist zwar keine Augenweide, könnte jedoch sehr wohl gut wirksam sein. Ich weiß, dass sie nicht ganz so exzessiv aber ähnlich im Freundeskreis angewendet wird. Wenn der Ventildeckel drauf ist, sieht man's ja nicht mehr. Was man jedoch sieht ist ein außen ölfreier Heinkelmotor - keine Ölflecken in der Garage und der Umwelt!

Eine weitere gute Methode hier Öldichtheit zu erreichen ist, Hutmuttern zu verwenden. Die müssen aber selbst angefertigt werden, denn die nach DIN sind zu hoch. Sie passen nicht unter die Kipphebel. Es ist zuerst eine Mutter in angepasster Höhe anzufertigen und dann auf der einen Seite ein Deckel aufzulöten. Das sieht auch unter dem Deckel dann professionell aus.

Bei der Abdichtmethode nach Horst Glaser, nämlich Loctite zu verwenden, habe ich Vorbehalte, ob denn beim Nachziehen der Muttern nach 500km Fahrstrecke das Anziehdrehmoment wohl noch richtig angewendet wird. Das Loctite klebt doch die Mutter fest und braucht dann ein erhöhtes Drehmoment, um weiter angezogen zu werden.
Gruß
Hans

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Werner
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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von Werner » 23.02.2018, 14:49

Hallo Hans,
die Methode mit Schraubensicherungslack ist von Heinkel empfohlen und funktionier auch wenn man es so wie du macht
Ich denke wenn es 1960 schon moderne Dichtmittel gegeben hätte dann hätte Heinkel eher diese verwandt.
Im Anhang zur Montageanleitung vom Club ist noch ein Artikel abgedruckt in dem Loctite 222 Schraubensicherung empfohlen wird. Dieses Mittel verwende ich seit Jahren und es funktioniert sehr gut. Es ist allerdings nicht das "normale"Loctite welches absolut knallhart wird sondern Schraubensicherung niedrigfest. Es härtet gummiartig aus und beim Kopf nachziehen muss man nur die Mutter leicht lösen und wieder nach Vorschrift anziehen und es bleibt dicht ohne neues Dichtmittel daran zu schmieren.

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Hans
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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von Hans » 23.02.2018, 20:23

Hallo Werner,
ich werde es beim nächsten Bedarf ausprobieren.
Gruß
Hans

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Re: Kompression 50 Jahre Standzeit

Beitrag von heinkel-bernd » 24.02.2018, 23:42

Servus Hans,
Hans hat geschrieben:
23.02.2018, 11:04
Wenn der Ventildeckel drauf ist, sieht man's ja nicht mehr.
Bei mir darf aber auch unter`m Deckel die Ästhetik nicht zu kurz kommen !
Ich klopfe die Enden der Splinte auch nicht brutal mit dem Hammer um, sondern schneide überflüssiges Material ab
und verwende eine kräftige Spitzzange :P
Wenn ich einen Motor zerlege, sehe ich nicht nur an diesen Stellen, ob vorher ein Mechaniker mit Liebe zum Detail oder
ein "Dorfschmied" am Werk war :wink:

Ich weiß, das Thema wurde schon oft behandelt aber wenn wir schon mal wieder bei den Kopfmuttern sind:
Auch die originalen Muttern, sofern sie noch nicht durch Zange und Meißel mißhandelt wurden, sehen sehr esthetisch aus :P
Ich dichte diese Verbindung an der Wurzel ab, indem ich vor und nach dem Auflegen der Weicheisenscheiben den Spalt um
das Gewinde mit Silikondichtmasse verschließe. Beim Anziehen der Muttern wird die Dichtmasse weiter in den Spalt und in
die Gewindegänge gedrückt, sodass sich eine weitere Abdichtung in und über der Mutter erübrigen.
Nur zur Sicherheit lass ich am Ende der Mutter noch ganz wenig Schraubensicherung Loctite 222 um des Gewinde sickern,
überflüssiges Material wird abgewischt :D
.
Kopfmuttern abdichten.jpg
.
Ich bin der Meinung, alles was steinhart wird kann auf Metall leicht abplatzen, wenn es nur oberflächlich aufgetragen wird :?

Das Nachziehen des Zylinderkopfes hat sich bei meinen Motoren schon lange erübrigt, da ich am Zylinder nur noch metallische
Dichtungen verwende. Fußdichtung (wenn nötig) Alu beitseitig mit Dichtmittel, Kopfdichtung massiv Kupfer.

An Denny:
phenomeno hat geschrieben:
22.02.2018, 22:14
die Schraubensicherung auf den Stehbolzen ist doch nicht original, oder?
Das sieht aus wie Sicherungslack, bei Heinkel kenne ich diesen aber in gelb :?
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth

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