Zylinderkopfdichtung Alu

Motor-Vergaser-Antrieb
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GerhardM
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Zylinderkopfdichtung Alu

Beitrag von GerhardM »

Hallo,
ich habe eine Frage zur Zylinderkopfdichtung aus Aluminium vom Club.
Ist diese Dichtung wieder verwendbar?
Wenn ja, kann sie einfach so wieder verwendet werden oder muss sie vorher "behandelt" werden?
Von der Kupferdichtung meine ich zu wissen, dass sie mit einem Gasbrenner glühend erhitzt und dann in Wasser abgeschreckt werden muss, damit sie wieder weich wird und kleine Unebenheiten ausgleichen kann. Gilt das auch für die Alumiumdichtung? Bis zu welcher Temperatur muss diese ggf. erhitzt werden?
Danke und Gruß
Gerhard
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bims
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Re: Zylinderkopfdichtung Alu

Beitrag von bims »

Servus Gerhard,

als Kupferschmied bzw. Metallbauer verwende ich am liebsten Kopfdichtungen aus Kupfer und verwende
sie nach dem Weichglühen und Abschrecken wieder !
(Aufheben der Kaltverfestigung durch Gefüge-Verdichtung auch bei Aluminium) !
Das hast Du richtig erkannt ! :D

Obwohl die Wärmeleitfähgkeit des Werkstoffes Alu im Vergleich zu Kupfer geringer aber der Härtegrad
im weichgeglühtem Zustand ähnlich ist, ist dieser Werkstoff für Kopfdichtungen natürlich auch gut geeignet !
Ein Nachteil des Werkstoffes Al besteht darin, daß sich beim Glühen und Schmelzen dessen Farbe nicht
verändert ! (Kupfer glüht von dunkel- bis hellrot und schmilzt bei gelber Farbe)
Deshalb kann man Aluminium nur in Elekto-Öfen weichglühen, deren Temperatur regelbar ist.
Bei Al würde ich mind. 10 Minuten auf eine Glühtemperatur von 300°C gehen (Schmelzpunkt ca. 660°C)
Eine gute Backröhre könnte diese Temperatur erreichen.
Oder mit Thermostift markieren, der beim Erhitzen der Blech-Rückseite bei Errechen der Temperatur die
Farbe wechselt !
Das glühende Alu-Teil auf keinen Fall abschrecken sondern langsam abkühlen lassen !

Guckst Du auch hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aluminium# ... egierungen
Viele Grüße aus dem schönen Oberfranken B I M S
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Bernd Hünten
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Re: Zylinderkopfdichtung Alu

Beitrag von Bernd Hünten »

Ich habe die Aludichtung einfach so wieder benutzt, allerdings hatte ich mir die Lage markiert. :D
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)
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bims
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Re: Zylinderkopfdichtung Alu

Beitrag von bims »

Servus Bernd, Servus Gerhard

das wird wohl eine gewisse Zeit und zwei- bis dreimal gehen ! :wink:
Wie Du aber sicher auch weißt, unterliegt der Alu-Zylinderkopf im Bereich der Zündkerze
einem gewissen "Schwund" !
Ob die Plastizität der Dichtung nach mehrmaliger Montage ohne weichzuglühen ausreicht
dieses "fehlende" Material zu ersetzen, ist natürlich fraglich !
Da Du bis jetzt mit Deiner Methode und sicher auch hohen Fahrleistungen damit gute Erfahrungen
gemacht hast, will ich auch niemanden zur Kupferdichtung "missionieren" ! :D

Um an meinen Motoren eine gewisse Reserve an Betriebssicherheit zu gewinnen, verwende ich nur
Kupfer-Kopfdichtungen, die ich bei mehrmaliger Verwendung ohne großen Aufwand weichglühen kann
und natürlich in der "alten" Einbaulage wieder montiere ! :P
Selbstverständlich wurden die Dichtflächen vor der Erstmontage der Dichtung plangefräst !
Da ich in der Regel das Verichtungsverhältnis des Motors auch leicht anhebe, erhöhe ich,
natürlich nach dem Prüfen der Zuganker auf festen Sitz im Motorgehäuse,
das Anzug-Drehmoment auf 35 Nm ! :mrgreen:
Nachahmung au eigene Gefahr !
Viele Grüße aus dem schönen Oberfranken B I M S
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Bernd Hünten
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Re: Zylinderkopfdichtung Alu

Beitrag von Bernd Hünten »

Mein Motor ist zur Zeit ein 200 cm² Glaser, Kopf mit größeren Ventilen, größerem Ansaugkrümmer, leicht erhöhter Verdichtung und auf 21 mm aufgeriebenem Vergaser. Beim vorsichtigen Einfahren hatte der Kolben nach ca 40 km einen Klemmer. Ich habe sofort reagiert, die Kupplung gezogen, kurz vor Stillstand wieder eingekuppelt und bin dann nach einer Abkühlungsphase angstvoll nach Hause gefahren. Dort habe ich den Kolben mit 1200 er Schmirgelleinen bearbeitet und das Ganze mit der Aludichtung wieder zusammengebaut, es sollte ja nur zur Probe sein! Danach habe ich keine Rücksicht mehr auf den Kolben genommen und ..... habe inzwischen mit diesem Motor und dieser Dichtung über 18 000 km gefahren. Ölverbrauch gerade auf unserer 1362 km langen Sauerlandtour knapp 0,25 l. :D :D Der Motor ist allerdings trocken und hat eine größere Ventildeckelentlüftung.
Meines Erachtens hat die Aludichtung noch einen Vorteil: Da sie im Außendurchmesser wesentlich größer als die Originaldichtung ist, wirkt sie als zusätzliche Zylinderrippe und gibt Wärme ab.
:( Meine Meinung über die alten Dichtungen mit Kupferring (angeblich geglüht) habe ich ja schon geschrieben. :roll:
An eine reine Kupferdichtung habe ich mich noch nicht gewagt, da ich keine Ahnung vom Ausglühen habe und niemanden kenne, der es mir zeigen kann.
In den 60 ern, bei gut 90 000km Fahrleistung, ist mir die normale Kopfdichtung nur einmal durchgeblasen: in Spanien bei Hitze, 2 Personen, viel Gepäck und voller Motorleistung.
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m)
GerhardM
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Re: Zylinderkopfdichtung Alu

Beitrag von GerhardM »

Hallo Bims,
vielen Dank für die fundierte Antwort.
Zwei 'Ergänzungsfragen habe ich noch:
Ist für das Weichglühen der Alu-Dichtung 300 Grad (Höchsttemperatur Backofen) die optimale Temperatur? Ich hättte die Möglichkeit, bei einem Bekannten in einem Ton-Brennofen auch eine höhere Temperatur einzustellen.
Aus Wissensdurst: Warum ist bei Kupfer Abschrecken erforderlich und bei Alu nicht "erlaubt".
Gerhard
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bims
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Re: Zylinderkopfdichtung Alu

Beitrag von bims »

Servus Gerhard,

wenn die Möglichket besteht, die Alu-Dichtung auf 400°C zu erwärmen, würde das bestimmt
nicht schaden und man hätte die Sicherheit, daß sie auch richtig "weich" ist !
Höher würde ich mit der Temperatur nicht gehen, da der Schmelzpunkt ja schon bei ca. 660° liegt ! :wink:

Das Abschrecken nach dem Glühen ist auch bei Kupfer nicht unbedingt erforderlich. In Fachkreisen wird
aber die Meinung vertreten, daß der Kupfer-Werkstoff dadurch noch "etwas" weicher bleiben soll ! :?

Ein kleiner Tip zum Reinigen von oxidiertem und verzundertem Kupfer nach dem Weichglühen :
Etwas Batterie-Säure (Schwefesäure ca.30 %ig) 1:1 mit Wasser verdünnen, die Kupferdichtung darin
ca. 5 Minuten einwirken lassen, danach mit einem kleinen, säuregetränkten Lappen vorsichtig abreiben,
dann mit Wasser gut abspülen und trockenreiben.
Bei diesen Arbeiten unbedingt Schutzbrille und wenn vorhanden Schutzhandschuhe tragen !
Bei Kontakt mit der Haut gleich mit Wasser abspülen.
Beim Verdünnen der Batteriesäure die Säure in das Wasser schütten, nicht anders herum !


Zum Abschrecken von Aluminium nach dem Weichglühen weiß ich nur so viel:
Es gibt legierte Alu-Werkstoffe, die zur Förderung der Aushärtung nach der Erwärmung abgeschreckt
werden !
Der Werkstoff für die Kopfdichtungen ist höchstwarscheinlich nicht aus solchem Material, trotzdem
würde ich die Alu-Dichtung nach dem Weichglühen langsam abkühlen lassen ! :wink:

Nach dem Weichglühen der Kupfer- oder Alu-Dichtung diese nicht mehr unnötig verbiegen oder
eben richten ! Jede Verformung verursacht eine Gefügeveränderung des Metalls und somit auch die
sogenannte "Kaltverfestigung" !
Viele Grüße aus dem schönen Oberfranken B I M S
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